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Lifestyle

26. Oktober 2026

Between Peace and Pace

Zwischen Ruhe und Tempo – warum Running, Gravel und Rennrad rund um Braunschweig gerade mehr als nur Sport sind

Von Marzena Marannano

Man kann sie kaum noch übersehen. Sie laufen durch den Prinzenpark, entlang der Oker oder durch Riddagshausen – konzentriert, rhythmisch, in stimmigen Outfits, Sportuhr am Handgelenk. Und dann sind da die Radfahrerinnen und Radfahrer: auf Gravelbikes und Rennrädern, in Bibs und Trikots, mit Wattwerten im Blick. Irgendwo zwischen Wochenendfreiheit und Tour de France. Man fragt sich: Wo kommen die plötzlich alle her? 

Die ehrliche Antwort: Sie waren wahrscheinlich schon immer da. Man sieht sie nur anders, sobald man selbst in diese Welt hineingerät. Genau so war es bei mir. Eigentlich wollte ich das Laufen nur ausprobieren. Kein Masterplan, kein Trainingsziel. Einfach loslaufen und schauen, was passiert. Schnell merkt man: Es geht um weit mehr als Fitness oder Kalorien. Laufen macht etwas mit dem Kopf, dem Körper und dem Alltag. Es schafft Struktur, fordert Disziplin – und schenkt etwas, das im täglichen Dauerrauschen häufig fehlt: Klarheit.

Irgendwann bleibt es nicht beim Ausprobieren. Plötzlich interessieren Pace, Herzfrequenz, Carbonschuhe, VO2max und Regeneration. Und kaum hat man das Laufen entdeckt, folgt der nächste Gedanke: Warum nicht auch Radfahren? Als Ausgleich. Ein Gravelbike vielleicht. Oder gleich ein Rennrad. Willkommen in der Endurance-Bubble – von außen vielleicht ein bisschen verrückt, von innen absolut nachvollziehbar.

Raus aus dem Kopf, rein in den Körper

Gerade Menschen zwischen 30 und 60, beruflich eingespannt, mit Familie und einem Alltag voller Termine, entdecken im Ausdauersport mehr als Bewegung. Es ist Training, aber auch Ventil und Gegenpol. Wer läuft oder fährt, ist für eine Weile raus aus To-do-Listen und Dauerrauschen. Man ist im Körper statt nur im Kopf. Vielleicht beschreibt „Between Peace and Pace“ dieses Gefühl am besten. Zwischen Ruhe und Tempo. Zwischen dem Ehrgeiz, besser zu werden, und dem Bedürfnis, einfach draußen zu sein. Wer erlebt hat, wie ein Lauf den Tag sortiert oder eine Ausfahrt den Kopf freibläst, versteht, warum dieser Lifestyle so viele Menschen erreicht.

Gemeinsam läuft es sich anders

Ausdauersport findet längst nicht mehr nur allein statt. Natürlich gibt es die Solorunden, bei denen nur die Strecke und der eigene Atem zählen. Gleichzeitig wächst die Community. Auch in der Region werden Laufgruppen, Running-Crews und gemeinsame Ausfahrten sichtbarer. Man verabredet sich, motiviert sich, entdeckt neue Strecken und trinkt danach gemeinsam einen Kaffee. Sport wird zu sozialer Verbindung. Instagram & Co. verstärken diesen Trend. Dort ist eine eigene Endurance-Welt entstanden: neue Strecken, Race-Days, Equipment, Community-Runs und das obligatorische Foto von Uhr, Pace oder Post-Run-Kaffee. Das mag inszeniert wirken – gleichzeitig motiviert und vernetzt es. Der erste eigene Lauf oder die erste 50-Kilometer-Ausfahrt erscheinen plötzlich erreichbar.

Ein bisschen Lifestyle darf sein

Und ja, zur Szene gehört Ästhetik. Beim Laufen sind es Carbonschuhe, funktionale Outfits und Sportuhren. Auf dem Rad kommen Carbonrahmen, Wattpedale, Bordcomputer, Bib, Trikot, Helm und Brille dazu. Plötzlich sehen Menschen beim Sonntagstraining so aus, als könnten sie direkt ins Profi-Peloton abbiegen. Ein bisschen Ironie darf sein. Aber genau das gehört dazu: Running und Cycling sind längst mehr als Sport – ein Lebensgefühl mit eigener Sprache, eigenen Codes und viel Stil. Der vielleicht größte Luxus bleibt kostenlos: draußen zu sein. Statt Neonlicht und Spiegeln erlebt man Wetter, Jahreszeiten, Wind, Weite und Abendlicht. In einer immer digitaleren Welt kann diese Einfachheit erstaunlich wertvoll sein.

Unsere Region: ziemlich gute Bedingungen

Dafür ist die Region 38 beinahe ideal. In Braunschweig führen Laufrunden durch Prinzen- und Bürgerpark, entlang der Oker oder durch Riddagshausen. In Salzgitter lockt der Salzgittersee, weiter nördlich der Tankumsee und die Südheide. Mit dem Rad wird die Auswahl größer: über kleine Straßen und Feldwege Richtung Wolfenbüttel und Elm, entlang der Aller zwischen Gifhorn und Wolfsburg oder durch die Südheide. Wer Höhenmeter sucht, nimmt den Harz ins Visier. Für Running, Gravel und Rennrad ist diese Mischung aus Stadt, Seen, Wald und Mittelgebirge ein Luxus: Man muss nicht weit fahren, um sich ziemlich weit weg zu fühlen. Plötzlich verändert sich auch der Blick auf die Region. Stadtläufe, Halbmarathons und andere Wettbewerbe werden interessant. Man meldet sich für den ersten Lauf an, setzt sich das nächste Ziel – und irgendwann ist aus einem Versuch Routine geworden. Vielleicht sogar Leidenschaft.

Zwischen Ruhe und Tempo

Das Schöne daran: Man muss kein Profi sein. Es geht nicht darum, Bestzeiten zu jagen oder jeden Kilometer mit High-End-Equipment zu vermessen. Der Reiz liegt woanders. Ein Lauf baut nicht nur Kondition auf, sondern kann Selbstvertrauen geben. Eine Radtour sammelt nicht nur Kilometer, sondern schafft manchmal erstaunlich viel Weite im Kopf. Dazu kommen Disziplin, Freiheit, Gemeinschaft – und das gute Gefühl danach. Für mich beschreibt „Between Peace and Pace“ genau dieses Lebensgefühl: Zwischen Ruhe und Tempo, Ehrgeiz und Freiheit. Zwischen dem Bedürfnis anzukommen und dem Wunsch, sich immer wieder neu in Bewegung zu setzen. Vielleicht ist das der Grund, warum Running und Cycling so viele Menschen erfassen: weil sie nicht nur den Körper verändern, sondern manchmal auch das Gefühl, wie man durch den eigenen Alltag geht.

 

Marzena Marannano
liebt die Verbindung aus Bewegung, Natur und Stil. Für Stadtglanz schreibt sie über Lifestyle, Reisen und die kleinen Momente zwischen Ruhe  und Tempo. 

 

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