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Lifestyle

5. Mai 2026

Was läuft eigentlich gut?

Katastrophen ereignen sich schlagartig, sind aber zeitlich oder lokal begrenzt. Fortschritt ist langsam, findet aber auf breiter Front statt. Unser Gehirn ist darauf optimiert, schnelle Veränderungen wahrzunehmen. Alarmismus verkauft sich daher blendend. Aber was läuft eigentlich unbemerkt gut?

Von Dr. Jan Plöger

Foto: AdobeStock / ktea3 Sub1

Korallenbedeckung im Great Barrier Reef auf Allzeithoch

Korallen bestehen aus Nesseltieren, die mit Einzellern zusammenleben. Die Einzeller betreiben Photosynthese und ernähren so die Nesseltiere. Bei Wärmestress stoßen die Nesseltiere die Einzeller aus, die Koralle verliert ihre Farbe und seine ökologische Funktion. Kommt es zu einer solchen Korallenbleiche, sind Zeitungen und Fernsehen voll von Grafiken, die den – meist deutlichen – Rückgang der Korallenbedeckung zeigen.

So hat sich die Korallenbedeckung des Nördlichen Great Barrier Reef in Australien zwischen 2011 und 2017 halbiert. Seitdem aber ist sie wieder angestiegen und hat ein Allzeithoch erreicht (https://www.aims.gov.au/information-centre/news-and-stories/high-coral-cover-amid-intense-heatwaves-and-bleaching-heres-how-both-can-be-true-great-barrier-reef). Auch das Central Great Barrier Reef hat 2024 eine Rekord-Korallenbedeckung, das Südliche liegt oberhalb des langjährigen Mittels. 

Zahl der Berggorillas in Ruanda steigt

Um das Jahr 1980 sah es für die Berggorillas in Ruanda schlecht aus. Nur noch ca. 300 Exemplare lebten und Wilderei und vor allem der Verlust von Lebensraum schienen ihr Schicksal zu besiegeln. Damals lebten ca. 5 Millionen Menschen in Ruanda, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gerade einmal 1,3 Milliarden US-Dollar. Heute leben in Ruanda 14 Millionen Menschen, das BIP hat sich mehr als verzehnfacht. 

Mit dem wachsenden Wohlstand nahm der Umweltschutz zu. So hat sich die Waldbedeckung in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Mittlerweile hat sich die Zahl der Berggorillas mehr als verdoppelt (https://www.weforum.org/stories/2024/10/sustainable-tourism-mountain-gorillas-rwanda/). Das ist auch gut für den Öko-Tourismus, der immerhin 1% des BIP ausmacht. Wer Geld damit verdient, Touristen eine intakte Umwelt zu zeigen, schützt sie. Drücken wir Ruanda die Daumen, dass es sich weiter so gut entwickelt!
 
Superfestes Holz

Viele technische Objekte benötigen Bauteile, die große Kräfte aufnehmen. In Häusern sind dies beispielsweise Stahlträger, Stahlbewehrungen oder neuerdings auch Carbonfaserbauteile. Alle diese Werkstoffe sind energieaufwendig in der Herstellung. Frühere Baumeister verwendeten Holz, das ist nachwachsend.

Aber auch deutlich weniger stabil und daher für sehr viele moderne Anwendungen ungeeignet. 

Vor sieben Jahren wurde ein Verfahren veröffentlicht, wie man die spezifische Festigkeit (also die Festigkeit pro Querschnittsfläche oder Gewicht) von Holz um den Faktor 10 steigern kann (https://www.nature.com/articles/nature25476). Ein Holz-Träger aus diesem Werkstoff hat eine um 50% höhere Traglast als ein Stahl-Träger gleichen Gewichts! Das Material ist zudem feuerhemmend und widerstandfähig gegen Fäulnis und Insektenfraß.

Allerdings war das Verfahren zeitaufwändig und teuer. Bis jetzt, denn durch die Verbesserung der Prozesstechnik lassen sich nun großtechnisch hochfeste Holzbauteile herstellen (www.inventwood.com). Das neue Material ist noch nicht in der Praxis getestet, aber die Chancen stehen gut, dass in Zukunft mehr Stahl durch Holz ersetzt wird.

CO2-freies Aluminium

Bei der Aluminiumherstellung wird Aluminiumoxid mit Hilfe von viel elektrischer Energie und Anoden aus Kohlenstoff per Schmelzflusselektrolyse in Aluminium und CO2 umgewandelt. Eigentlich braucht man keine Anoden aus Kohlenstoff, aber eine inerte Anode zu finden, hat sich aus überaus schwierig erwiesen. So darf die Anode das Aluminium nicht verunreinigen, sie darf nicht zu teuer sein und der Prozess muss dauerhaft stabil sein.  

Der russische Aluminiumproduzent RUSAL hat dieses Problem nun offenbar gelöst (https://rusal.ru/en/innovation/technology/inertnyy-anod). Statt CO2 entsteht bei der Schmelzflusselektrolyse Sauerstoff und das Aluminium ist deutlich reiner, weil beispielsweise keine Schwermetalle mehr aus den Anoden austreten. Der neue Prozess soll nun in großem Umfang eingesetzt werden. Da RUSAL bereits viel Wasserkraft für die Stromproduktion nutzt, wäre das eine quasi-CO2-freie Aluminiumproduktion.

KI für glückliche Schweine

Wer Schweine hält, möchte, dass diese sich möglichst wohl fühlen, denn Stress ist nicht gut für deren Wachstum. Es ist aber etwas schwierig, Schweine nach ihrem Wohlbefinden zu fragen. Oder besser – es war schwierig. Einer internationalen Forschergruppe ist es nun gelungen, Lautäußerungen von Schweinen automatisch zu klassifizieren (https://www.nature.com/articles/s41598-022-07174-8). Das ermöglicht es, automatisch die Zufriedenheit der Schweine zu erfassen.

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