Kultur
Innovation trifft Kunst
Über Zukunft, Zuversicht und den Wert des Dialogs
Wie wollen wir in Zukunft leben – und welchen Beitrag kann Kunst dazu leisten? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das Schaffen von Maja Zipf, einer Künstlerin aus der Region, deren Werke gleichermaßen zum Nachdenken wie zum Miteinander anregen. Stadtglanz sprach mit ihr über
den Zusammenhang von Kunst, Innovation und gesellschaftlichem Wandel.
Kunst als Spiegel und Möglichkeitsraum
„Ich verhandle in meiner Arbeit die Frage, was unsere Zukunft für uns bereithält“, erklärt Zipf. Zwischen dystopischen und utopischen Szenarien plädiert sie für mehr Mut und Zuversicht. Der Mensch als fühlendes, transzendentes Wesen stehe dabei im Mittelpunkt. Medienübergreifend arbeitet sie mit Keramik, Malerei und Video – aktuell auch an großformatigen, organischen Tischskulpturen, die Betrachterinnen und Betrachter in den Dialog bringen.
Der Gedanke der Interaktion ist zentral:
Kunst solle nicht nur ästhetisches Erlebnis sein, sondern ein sozialer Raum, in dem Menschen sich begegnen. So auch in ihrer Installation Hoping for better days: Ein knapp sechs Meter langer Tisch mit geschwungenen Formen lädt zum Umherschlendern, Verweilen – und zum Gespräch. „Es entstehen spontane Begegnungen. Menschen schauen sich in die Augen und kommen ins Gespräch. Genau das ist für mich Innovation“, so die Künstlerin.
Innovation als Prozess – nicht als fertige Erfindung
Zipf versteht Innovation nicht als rein technisches Phänomen, sondern als eine Haltung: „Innovativ zu sein bedeutet, sich selbst neu zu erfinden, neugierig und flexibel zu bleiben. Innovation ist kein Endprodukt, sondern ein Prozess.“
Historisch betrachtet sei jede Epoche in der Kunst von Erneuerung geprägt, von neuen Denkweisen und ästhetischen Verständnissen. Heute, so Zipf, sei es weniger das radikal Neue, sondern vielmehr die kreative Kombination bestehender Ideen, die als innovativ gelten dürfe.
Dabei spielen auch technische Entwicklungen eine Rolle:
3D-Druck, Virtual Reality oder Künstliche Intelligenz eröffnen Künstlerinnen und Künstlern neue Ausdrucksformen. „Doch nicht jede technische Innovation muss zwingend langfristig Bestand haben. Das Schöne an der Kunst ist, dass alles nebeneinander existieren darf.“
Keramik als Experimentierfeld
Seit einem Jahr arbeitet Zipf zudem an einer Serie von Keramikskulpturen, die in Form und Material experimentell bleiben: spitze Zipfel, eckige Spitzen, organische Strukturen, die an Seeanemonen oder Korallenriffe erinnern. Durch farbige Glasuren wirken sie zugleich artifiziell und lebendig. „Die Form ist nie eindeutig lesbar. Genau dieser Schwebezustand macht die Spannung aus.“
Keramik, ein traditionelles Medium, erlebt derzeit auch international eine Renaissance in der zeitgenössischen Kunst. Viele junge Künstlerinnen und Künstler greifen auf das Material zurück, weil es einen handwerklichen, sinnlichen Gegenpol zur digitalen Welt bildet.
Kunst als Labor der Zukunft
Auf die Frage, wo sie die größten Chancen für Innovation sieht, antwortet Zipf ohne Zögern:
„In der Kombination von Kreativität, Neugierde und Tatendrang. Es geht nicht darum, das Rad neu zu erfinden, sondern Ideen in Bewegung zu setzen und Impulse für unsere Gesellschaft zu geben.“ Kunst sei dabei nicht nur Spiegel der Gegenwart, sondern ein Labor für die Zukunft – ein Zwischenraum, in dem experimentiert, getestet und geträumt werden darf.
Persönlich und nahbar
Trotz ihres konzeptionellen Ansatzes bleibt Zipf nahbar. Gefragt, was sie bei einer kreativen Blockade tue, lacht sie: „Dann schwinge ich mich aufs Rad, verreise ein Stück – und esse Spaghetti.“
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