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Wirtschaft

16. Oktober 2025

Unternehmensnachfolge 2025

Aktuelle Trends und neue Ideen

Von Karin Kutz

Fotografie: AdobeStock / Steffen Kögler / Brian Jackson

In den kommenden Jahren steht die deutsche Unternehmenslandschaft vor einem tiefgreifenden Wandel: Rund 190.000 Unternehmen suchen bis 2027 eine geeignete Nachfolge. Gleichzeitig sind nur noch 10 von 100 Inhaberinnen und Inhabern unter 40 Jahren. Die Unternehmensnachfolge ist damit längst kein Nischenthema mehr, sondern eine zentrale gesamtwirtschaftliche Herausforderung – mit massiven Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Innovation und regionale Wertschöpfung.

Frühzeitige Planung ist der Schlüssel

Wer rechtzeitig die Weichen stellt, erhöht die Chancen auf eine reibungslose Übergabe – sei es innerhalb der Familie, an Mitarbeitende (Management-Buy-Out), externe Führungskräfte (Management-Buy-In) oder Investoren. Als Expertin für Unternehmensnachfolge möchte ich Ihnen im Folgenden einige wichtige Impulse und Gestaltungsmöglichkeiten mitgeben.

Die Struktur entscheidet: Ist Ihr Unternehmen fit für die Übergabe?

Eine zentrale Frage lautet: Ist Ihr Unternehmen strukturell auf eine erfolgreiche Nachfolge vorbereitet? Eine unübersichtliche Gesellschaftsstruktur, übermäßige Abhängigkeit von der Gründerperson oder unklare Zuständigkeiten können potenzielle Nachfolger abschrecken – oder zu unnötigen steuerlichen Nachteilen führen. Es lohnt sich daher, die Unternehmensstruktur frühzeitig zu überprüfen und gegebenenfalls gezielt anzupassen.

Holding-Strukturen als effiziente Lösung

Eine besonders interessante Lösung ist die Holding-Struktur. Sie ermöglicht nicht nur eine effiziente Organisation und klare Trennung von operativem Geschäft und Vermögensverwaltung – sie bietet auch handfeste steuerliche Vorteile. Wird beispielsweise eine Holding-Kapitalgesellschaft gegründet, die Beteiligungen an der operativen Gesellschaft hält, können Gewinne aus einem späteren Verkauf dieser Anteile zu 95 % steuerfrei vereinnahmt werden. Die effektive Steuerbelastung liegt dann bei lediglich rund 1,5 %. Die so gewonnene Liquidität kann in der Holding verbleiben und für den weiteren Vermögensaufbau genutzt werden – etwa für den Erwerb zusätzlicher Beteiligungen oder zur Investition in renditestarke Immobilien.

Immobilien zur Altersvorsorge – steuerlich clever gedacht

Ein attraktives Szenario: Sie investieren über Ihre Holding-GmbH in Immobilienvermögen. Denn auch hier winken steuerliche Vorteile: Einkünfte aus der Vermietung von Immobilienvermögen unterliegen in der Kapitalgesellschaft einer deutlich reduzierten Besteuerung – und bilden somit einen soliden Baustein für Ihre private Altersvorsorge. So verbinden Sie Ihre Nachfolgegestaltung mit einem strategischen Vermögensaufbau.

Was tun, wenn die Struktur (noch) nicht passt?

In jeder Unternehmensstruktur spielt die gewählte Rechtsform eine zentrale Rolle. Sofern Sie bereits in der Rechtsform einer GmbH tätig sind und über die Mehrheit der Stimmrechte verfügen, können Sie Ihre Anteile mithilfe des Umwandlungssteuergesetzes steuerneutral in eine neu gegründete Holding-GmbH einbringen. Dabei „tauschen“ Sie Ihre bisherigen Anteile gegen neue Anteile an der Holding – es entsteht eine Beteiligungskette mit Ihnen an der Spitze.

Dieser Schritt sollte idealerweise mindestens sieben Jahre vor einem geplanten Verkauf erfolgen, um die steuerlichen Vorteile in vollem Umfang nutzen zu können. Doch auch bei kürzeren Zeitfenstern bietet diese Gestaltung eine flexible und steuerlich attraktive Option mit einer schrittweisen Reduzierung der Steuerlast.
 
Sollte Ihr operatives Unternehmen noch nicht die passende Rechtsform haben, empfiehlt sich in einem ersten Schritt ein steuerlich optimierter Rechtsformwechsel – etwa von einem Einzelunternehmen oder einer Personengesellschaft in eine Kapitalgesellschaft. Hierbei ist besondere Sorgfalt gefragt, da unter Umständen stille Reserven aufgedeckt und sofort besteuert werden müssen. Das Umwandlungssteuergesetz erlaubt jedoch in vielen Fällen den Buchwertansatz – und damit eine steuerneutrale Umstrukturierung.

Alternatives Holdingmodell: die doppelstöckige GmbH & Co. KG

Eine interessante Variante für Unternehmer*innen, die kurzfristig verkaufen möchten und das 55. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist die Kombination einer GmbH & Co. KG als Holding mit einer operativen GmbH & Co. KG. Wird der Verkaufsgewinn aus der Untergesellschaft in der Holding belassen, kann eine begünstigte Besteuerung mit nur 28,25 % (statt des regulären Steuersatzes) beantragt werden.

Die in der Holding gewonnene Liquidität steht dann für einen weiteren Vermögensaufbau, Immobilieninvestments oder strategische Beteiligungen zur Verfügung. Auch diese Lösung bietet hohe Flexibilität und eine solide Grundlage für nachhaltigen finanziellen Erfolg.

Faktor Mensch: die emotionale Seite der Nachfolge

Neben allen rechtlichen und steuerlichen Aspekten darf ein Punkt nicht unterschätzt werden: die emotionale Dimension. Die eigene Firma abzugeben, bedeutet oft auch, ein Lebenswerk loszulassen. Die Identifikation mit dem Unternehmen, die Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden und der Wunsch, ein gutes Erbe zu hinterlassen, sind zentrale Themen.

Auch potenzielle Nachfolger bringen Unsicherheiten mit – etwa in Bezug auf Finanzierung, Haftung oder Akzeptanz im Team. Umso wichtiger ist eine offene Kommunikation – idealerweise begleitet durch erfahrene Beraterinnen und Berater. Denn nur, wenn sowohl Struktur als auch persönliche Übergabeprozesse klar sind, kann eine Nachfolge gelingen.

Fazit: Unternehmensnachfolge strategisch gestalten

Die Unternehmensnachfolge ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein strategischer Prozess, der idealerweise mehrere Jahre im Voraus beginnt. Mit der richtigen Struktur – rechtlich, steuerlich und menschlich – lassen sich nicht nur Risiken vermeiden, sondern echte Zukunftschancen schaffen: für die eigene Altersvorsorge, für den Fortbestand des Unternehmens und für kommende Generationen.

Nutzen Sie die Vielfalt an langfristigen Gestaltungsmöglichkeiten, prüfen Sie rechtzeitig Ihre Optionen – und entwickeln Sie eine Nachfolgelösung, die genau zu Ihnen und Ihrem Unternehmen passt. Wir unterstützen Sie gern!

Ausblick:

In der Winterausgabe des Stadtglanz-Magazins widme ich mich der Frage, wie ein Unternehmenskaufpreis optimal strukturiert werden kann – steuerlich intelligent, rechtlich sicher und für beide Seiten fair.

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