Skip to main content

Wirtschaft

21. April 2026

Wolfsburgs City

Zwischen Wandel und Vision – Handel trifft Innovation

Von Timo Grän

Michael Ernst und Dennis Weilmann

Foto: Stadtglanz

Wolfsburg steht vor einem Wandel – wirtschaftlich, städtebaulich und im Einzelhandel. Stadtglanz traf sich zum Gespräch mit  Oberbürgermeister Dennis Weilmann  und Michael Ernst, geschäftsführender Vorstand beim CMT Wolfsburg und sprachen über neue Impulse, innovative Konzepte und die Frage, wie die Innenstadt in Zukunft lebendig und attraktiv bleibt.

 

Herr Ernst, Herr Weilmann, wenn Sie an Wolfsburgs Zukunft denken, welche Innovationen oder kreativen Projekte kommen Ihnen spontan in den Sinn, die vielleicht über den Automobilsektor hinausgehen?

DW: Übergeordnet haben wir uns mit der Wirtschaftsagenda und dem 10-Punkte-Plan Anfang 2025 klar positioniert, was die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandorts Wolfsburg angeht. Vor kurzem haben wir gemeinsam mit VW und Wolfsburg AG ein Standortkonzept 2035+ vom Rat beschließen lassen, dass den Anspruch hat, Wolfsburg wirtschaftlich auf ein neues Level zu heben und zukunftssicher für die nächsten Jahrzehnte aufzustellen. Dabei werden Innovationen rund um die Entwicklungspotentiale Wolfsburgs Mobilität, IT, Kreislaufwirtschaft und Gesundheit eine bedeutende Rolle einnehmen. 

Auch unsere neuen Wohngebiete Steimker Gärten, Hellwinkel-Terrassen oder ganz neu der zu entwickelnde Sonnenkamp sind innovative Vorzeigeprojekte, die sich an den Themen Nachhaltigkeit und Wohnen der Zukunft orientieren. So wollen wir z. B. im Sonnenkamp alternative und klimafreundliche Heizsysteme fördern. In den Hellwinkel-Terrassen werden innovative Holzhochhäuser gebaut, die sogar eine bundesweite Berichtserstattung losgestoßen haben.

Aktuell stecken wir in der Planung für ein neues Erscheinungsbild des Nordkopfes. Hier stehen neue Konzepte und innovative Ideen bezüglich Mobilität, Aufenthaltsqualität, Besucherlenkung und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Mit dem Medical Office, dem Lupus und der BRAWO-City stehen spektakuläre Neubauprojekte am Nordkopf in den Startlöchern bzw. kurz vor der Vollendung. Und auch in der mittleren Porschestraße geht es in großen Schritten mit den BRAWO-Arkaden voran. 

Mit der Ansiedlung der 42 Wolfsburg, die zusammen die Markthalle- Raum für digitale Ideen bildet und das Herzstück unserer Smart City darstellt, sowie der Erweiterung des Campus Wolfsburg der Ostfalia wird die nördliche Innenstadt immer weiter zum Innovationshotspot der Stadt. 

Zudem freuen wir uns über lokales Engagement wie z. B. die Aufwertung der Kaufhofpassage durch den ansässigen Einzelhandel, insbesondere Ehme de Riese oder die positive Entwicklung am Südkopf mit neuen gastronomischen Angeboten und einer tollen Aufenthaltsqualität. Auch der Kaufhof hat sich mit neuen Angeboten weiterentwickelt. Dort ist gerade sehr viele Dynamik drin.

Etwas außerhalb gibt es aber auch Innovationen: Im Hageberg entwickelt sich der Mobile Life Campus mit der Open Hybrid LabFactory zu einem vollwertigen Universitätsstandort der TU Braunschweig zum Thema Kreislaufwirtschaft. Hier werden sukzessiv Kompetenzen gemeinsam mit Fraunhofer, Ostfalia und Volkswagen aufgebaut, um Zukunftsthemen zu bearbeiten und Innovationen zu fördern. 

Ein weiteres innovatives Thema sind verfügbare Gewerbeflächen. Wir brauchen neue, moderne Grundstücke, um innovativen Unternehmen und Branchen ein adäquates Angebot machen zu können und sie davon zu überzeugen, in Wolfsburg Fuß zu fassen. Mit dem Heinenkamp-West und Warmenau-Ost haben wir aktuell zwei Flächen in der Entwicklung, die genau diesen Kriterien entsprechen. 

 

Herr Weilmann, welche Strategien verfolgt die Stadt Wolfsburg, um den Einzelhandel innovativ zu unterstützen und den lokalen Geschäften zu helfen, sich gegenüber rein digitalen Angeboten zu behaupten?

DW: Mit dem Entwicklungskonzept Innenstadt haben wir den strategischen und operativen Rahmen für die Entwicklung unserer Innenstadt geschaffen. 2023 konnten wir den Kompass als strategische Grundlage und 2024 das Regiebuch und die Roadmap Innenstadt als kurz- und mittelfristige Instrumente der Stadtentwicklung beschließen. Seitdem arbeiten wir intensiv an der Umsetzung. 
Ganz aktuell haben wir z. B. einen wichtigen Meilenstein bei der Gründungsförderung in der Innenstadt erreicht. So haben wir Fördermittel für den Aufbau eines Start-up-Zentrums vom Land Niedersachsen eingeworben, um innovative Ideen im Zentrum anzusiedeln. Mit der dreijährigen Förderung werden wir Strukturen und Rahmenbedingungen schaffen, damit neuartige und innovative Geschäftsideen in Wolfsburg wachsen können. Zudem stellen wir als Stadt Wolfsburg auch Fördermittel u. a.  für Neueröffnungen von Einzelhandelsgeschäften zur Verfügung. Damit wollen wir Menschen ermutigen, mit neuen Ideen in der Innenstadt Fuß fassen zu können.

Mit der Schaffung von modernen Büro- und Gewerbeflächen werden wir automatisch attraktiver für neuartige und innovative Geschäftsideen. Um das Umzusetzen ist es wichtig, ein kooperatives Miteinander mit Ankerinvestoren wie z. B. der Volksbank BRAWO, dem Eigentümer des Designer Outlet Centers OCI oder der Verspermann Real Estate Group zu pflegen. Hier setzen wir auf Gespräche auf Augenhöhe, Transparenz und Vertrauen und die aktuellen Projekte zeigen, dass diese Grundhaltung auch in turbulenten Zeiten dafür sorgt, dass wir uns als Stadt weiterentwickeln können.

 

Wolfsburg hat ja auch stadtplanerisch einiges vor. Wie fließen Innovationen in die Entwicklung der Innenstadt ein, und welche konkreten Maßnahmen gibt es, um die Attraktivität der City zu steigern?

DW:  Durch das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ des Landes haben wir die Möglichkeit erhalten, verschiedene innovative Angebote an verschiedenen Orten in der Innenstadt auszutesten. Formate die gut angenommen worden sind, werden wir in die Verstetigung bringen. Insgesamt haben wir durch diese Projekte viel lernen können über unsere Innenstadt und die Bedürfnisse ihrer Nutzer, den Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen unserer Stadt und werden diese Erfahrungen in zukünftige Stadtentwicklungsprozesse einfließen lassen. 

Konkret arbeiten wir über das Förderprogramm „Resiliente Innenstädte“ bereits an der Aufwertung des Kleistparks und des Rathausvorplatzes, wo u. a. ein Klimalabor entstehen soll. Beide Vorhaben dienen dazu, die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt deutlich zu erhöhen.

Zudem wollen wir das studentische Leben weiter am Standort stärken. Der Campus der 42 Wolfsburg zeigt, dass es einer Innenstadt gut tut, wenn hier junge Leute Raum für Ideen und deren Umsetzung finden. Wir wollen Möglichkeiten schaffen, damit Kreative, Unternehmensgründungen aber auch soziale Innovationen einen Platz in der Mitte der Stadt finden. Ein weiterer Baustein um dieses Ziel zu erreichen ist sicherlich auch der Umbau des Campus der Ostfalia Hochschule und die damit einhergehende Aufwertung der Poststraße und des Robert-Koch-Platzes. 

ME: In der Vergangenheit haben bereits sehr viele sogenannte Sofortmaßnahmen gegriffen, wie eine Stadt-Möbel zur Erhöhung der Verweildauer, Spiel-Elemente,  „Action-Tools“ wie einen Boulder-Würfel oder eine Basketball-Anlage am Nordkopf. Dies sind alles Beispiele von Maßnahmen die bereits durchgeführt wurden und vor allem kurzfristig. Solche Maßnahmen muss man natürlich auch immer als Test verstehen, um zu testen, was der Besucher der Innenstadt sich am Ende wünscht. Dies sind aber sehr gute Maßnahmen, die bereits getroffen wurden.

Auch der Pop-up-Shop in der Porschestraße – der Rudelstore mit lokalen Gründern, aber auch etablierten Wolfsburger Marken wie der VfL Wolfsburg und die Wolfsburg Grizzlys – war wichtig und ein positives Signal in der aktuellen Zeit.

Ein weiteres wichtiges Thema bei dem wir als Handelsbeirat auch mit den entsprechenden Institutionen sind, ist das Thema Sicherheit und Sauberkeit! Die Besucher wollen sich sicher fühlen und vor allem muss eine Einkaufsstraße auch sauber sein. 

Hier gab es die Implementierung der sogenannten Big Bellys (automatische Mülleimer) gemeinsam mit der WMG, die mehr Müll fassen können, aber auch signalisieren, wann diese Mülleimer geleert werden müssen. Es wurde weitere Reinigungs-Gänge vereinbart und weitere Maßnahmen sind im Austausch. Regelmäßig wird nun gemeinsam auch der Stadtputztag in Wolfsburg durchgeführt, der bereits im ersten Jahr ein voller Erfolg war!

 

Können Sie uns ein oder zwei konkrete Beispiele nennen, wo Sie in Wolfsburg bereits innovative Projekte im Einzelhandel umgesetzt haben oder welche in Planung sind?

DW: Das Designer Outlet Center ist ein sehr erfolgreiches Beispiel für ein innovatives Einzelhandelskonzept. Natürlich gab es am Anfang auch bedenken, ob das Projekt ein Erfolg werden kann, aber die Besucherzahlen und das Interesse bei den Einzelhändlern sprechen für sich selbst. Heute ist das DOW ein Besuchermagnet und genau deshalb machen wir uns aktuell Gedanken, wie wir das DOW und den Nordkopf mit einem starken Freiraumkonzept besser miteinander verbinden können damit die Besucherinnen und Besucher auch die anderen Bereiche unserer Innenstadt kennenlernen können.

ME: Hier beziehe ich mich gerne nochmals auf den Rudelstore! Dies war eine Plattform für junge Wolfsburger Unternehmen, die hier die Chance hatten erstmals einen eigenen stationären Store auf der Porschestraße zu haben. Ein spannendes „Multibrand“-Store Konzept, welches es in dieser Art in Wolfsburg vorher noch nicht gab! Dies war eine Initiative der WMG, die auch den Store koordiniert und umgesetzt hat.

 

Wie eng arbeiten Stadtverwaltung und Wirtschaft zusammen, um innovative Konzepte gemeinsam voranzutreiben?

DW: Über die WMG gibt es bereits viele Berührungspunkte und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft und Investoren von außerhalb. Über den Handelsbeirat, aber auch den Tourismusbeirat der WMG stehen wir im ständigen Austausch mit den Akteuren vor Ort und schmieden gemeinsam Pläne, um innovative Konzepte voranzutreiben.

Auch ich führe als Oberbürgermeister viele Gespräche mit den Menschen vor Ort und lokalen Wirtschaft z. B. über das Dialogformat „Ansprechbar on tour“. Mir ist es wichtig, hier direkt an der Basis zu erfahren, wie die Geschäfte laufen und wo es noch Verbesserungspotenziale gibt. Meine Tür steht immer offen und ich freue mich über Impulse aus der Wirtschaft. 
Mit der Neuordnung im Wirtschaftsdezernat haben wir auch in der Stadtverwaltung das Thema Wirtschaftsfreundlichkeit der Kommune weiter adressiert. Ziel ist es, dass Unternehmen sofort wissen, an wen Sie sich wenden müssen und wir schnell auf Anfragen und an uns herangetragene Anliegen reagieren können. 

ME: Die „Händlerschaft“ hat einen extrem guten und engen Austausch mit den entsprechenden Institutionen auf Seiten der Stadt. Durch den Handelseirat führen wir untereinander regelmäßige Gespräche, es gibt aber auch diverse weitere Plattformen wie den Innenstadt-Dialog bei denen man sich regelmäßig und ausführlich austauscht. 
Wir als CMT sind die Vertreter im Handels- und Tourismusbeirat der WMG für die Händler und Tourismusvertreter in der Stadt Wolfsburg. 
Wir versuchen in diesen Beiräten die Interessen und Anliegen unserer Mitglieder immer bestmöglich zu platzieren und gehen dort auch Themen an, die auch mal nicht so positiv sind aber relevant z.B. für die Händler in Wolfsburg.

Bisher haben wir immer erlebt, dass wir – egal ob, bei Oberbürgermeister Dennis Weilmann – oder anderen Entscheidern in der Stadt immer einen direkten Draht hatten und unser Anliegen immer Gehör gefunden hat und man gemeinsam versucht hat eine Lösung zu finden.

 

Abschließend gefragt: Welche Vision haben Sie beide für den regionalen Einzelhandel in Wolfsburg in den nächsten fünf bis zehn Jahren? Worauf dürfen sich Bürger und Besucher freuen?

DW: Wolfsburg hat sich schon immer dynamisch entwickelt und gerade die Innenstadt wird in zehn Jahren ganz anders aussehen. Wir arbeiten z. B. an einem neuen Erscheinungsbild des Nordkopfes. In fünf bis zehn Jahren wird der Nordkopf durch neue Büro- und Gewerbegebäude in die Höhe wachsen. Aber auch am Boden wird sich viel tun. Der ZOB wird sich verändern und die Aufenthaltsqualität wird sich enorm verbessern durch Grünanlagen und neuen Orten und Gelegenheiten zum Verweilen. 
Insgesamt werden wir dafür sorgen, dass die Innenstadt für alle Verkehrsteilnehmer gut erreichbar ist, die Sauberkeit und Sicherheit zu einem Wohlfühlfaktor wird und die Wolfsburgerinnen und Wolfsburger auf ein vielfältiges Angebot an Einzelhandel und Gastronomie zurückgreifen können.

ME: Wolfsburg ist eine junge Stadt, eine Stadt die für Dynamik steht! Eine junge Stadt hat auch die Chance ein Vorreiter im Bereich Innovation zu sein und ich glaube daran kann und sollte Wolfsburg noch arbeiten: Innovative Handels-Konzepte nach Wolfsburg bringen, die für eine junge und innovative Stadt stehen! Da gibt es spannende Konzepte bereits die in der Entwicklung sind, auch von großen Marken! Hier muss Wolfsburg ein klares Profil entwickeln und solchen neuen Konzepten eine Plattform bieten, so dass sich die Innovation und Dynamik aus anderen Bereichen der Stadt Wolfsburg im Stadtbild wieder findet!
 

 

Mehr aus dieser Rubrik





Zur Startseite