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Wirtschaft

21. April 2021

Die Vermittler der „Blackbox“

Eine Welt für sich?

Von Falk-Martin Drescher

(Fotografie: Öffentliche Versicherung Braunschweig  Leevke Struck  privat)

Versicherungen: eine Welt für sich? Christopher Spitzer und Sven Schmeisser sind beide bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig tätig. So unterschiedlich ihre täglichen Themenkomplexe dabei auch sein mögen, sie eint ihre Mission – Versicherungen verständlich zu machen. Stadtglanz ist für diesen Bericht in ihre spannende Welt abgetaucht – und ist dabei auf einige aufschlussreiche Entwicklungen gestoßen.

Christopher Spitzer steht im Empfangsbereich der Öffentlichen Versicherung Braunschweig unweit der Volkswagen Halle. Der Bereichsleiter Vertriebsorganisation lässt seinen Blick durch die Rotunde und die Stockwerke kreisen: „Obwohl wir uns bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig bei einem mittelständischen Unternehmen – und damit verbunden bei einem engagierten Player der Region – befinden, ist die Arbeit hier weit entfernt von Anonymität. Ich würde den Kosmos eher als eine große Familie beschreiben. Die Wege sind kurz, alles ist sehr persönlich und nah.“ Das gelte indes für alle Bereiche. „Man hat als Mitarbeiter viel mit dem Top-Management und dem Vorstand zu tun. Wo andere in Unternehmen dieser Größe Neuigkeiten aus dem Intranet erfahren und oftmals gar nicht so genau wissen, was links und rechts von ihnen passiert, sind unsere Verzahnungen viel enger und die Aufgabenfelder viel stärker miteinander verknüpft.“

Spitzer sieht mit Blick auf die Versicherungswelt noch einen anderen, kommunikativen Triggerpunkt: „Die Branche kämpft im Grunde immer noch gegen ein veraltetes Bild an. Viele würden gar heute noch vermuten, dass der Versicherungsvertreter dem Eskimo seine Eiswürfel verkaufen soll.“ Tatsächlich gehe es aber im Kern um etwas ganz anderes: Ansprechpartner für die Kunden im Bezug auf die Themenfelder Versicherungen und Finanzen zu sein. „Wir wollen helfen, diese Blackbox ‚Versicherungen‘ greif- und nachvollziehbar zu machen.“ Den Kunden nicht mit Fachchinesisch überrollen – sondern als Vermittler der Inhalte und Informationen zu agieren. Und deshalb sei das Berufsbild so bedeutsam: „An diesem Job ist die Beratung essenziell. Wir versuchen, den Menschen dabei zu helfen, im Leben besser zurechtzukommen. Sich besser vorzubereiten und vorzusorgen. Das ist das, worum es geht.“ Und das ist das, was Spitzer antreibt. „Das ist ein gesellschaftliches Bestreben – und unser Antrieb: den Menschen zu helfen.“ Alles basiere im Rahmen der Dienstleistung auf einer aufmerksamen Kundenberatung.

Spricht der Bereichsleiter Vertriebsorganisation über die Beratung im Außendienst, skizziert er ein klangvolles Bild: „Der Job steht vor allem für viel Eigenständigkeit. Von den Angestellten in unseren Geschäftsstellen bis hin zu den selbständigen Vertriebspartnern – hier bieten sich viele unterschiedliche und insbesondere flexible Karriereoptionen. Dabei zeichnen sich diese insbesondere durch eine hohe Eigenständigkeit, Freiheit und Abwechslung aus.“ Neben der freien Arbeitszeitgestaltung und der Möglichkeit des digitalen Arbeitens punkten auch die immer neuen Themen durch immer wechselnde Ansprüche und Wünsche der Kunden. Für sie gibt es keine Konzepte aus der Schublade, sondern individuelle Lösungen.

„Eine gute Lösung für den Kunden – nicht für das Unternehmen“

Apropos individuelle Lösungen. Nicht nur die Versicherungsbranche befindet sich in einer starken Transformation – sondern ebenfalls die Öffentliche Versicherung Braunschweig selbst. Und ihre Produkte. Einen nicht unwesentlichen Einfluss darauf haben all die jungen Kolleginnen und Kollegen aus dem Haus. „Was zählt ist die Kundenzufriedenheit. Deshalb ist es uns so wichtig, dass die Personen, die mit den Kunden arbeiten, die Versicherungslösungen mit entwickeln“, so Spitzer. Auf die Produktgestaltung wirken nicht nur die „zuständigen“ Kollegen, sondern letztlich jeder im gesamten Komplex mit ein: eben auch die Außendienstmitarbeitenden sowie die Kunden selbst.

„Am Ende soll ja eine gute Lösung für den Kunden stehen – und nicht für das Unternehmen.“

Das kann Sven Schmeisser, Abteilungsleiter Personalgewinnung, Qualifizierung und Changemanagement, nur unterschreiben. Schmeisser, der im vergangenen Jahr neu ins Unternehmen gekommen ist, erläutert: „Wir treten nicht an, um unseren Kollegen zu sagen, wie die Welt funktioniert – sondern wir wollen an einem gemeinsamen Plan arbeiten. Dabei ist vor allem das Thema Ausbildungen stark im Fokus: Nachwuchs generieren, ihn fördern und unterstützen. Sowie ein nachhaltiges Talentmanagement aufbauen.“ Die mit der Corona-Pandemie verbundenen Bedingungen – wie etwa Homeoffice – hätten freilich einen Impact auf die Ausbildung neuer Kollegen: „Wenn ich mobil arbeiten kann, dann muss ich auch mobil lernen können. Dafür bedarf es neuer Lösungen.“ Agilität sei also ein wesentliches Thema, und das nicht nur aus der IT-Perspektive.

Kein Produkt, sondern ein Gefühl

Um neue Ansätze geht es ebenso im Recruiting. „Früher hat man sich aus 100 Bewerbungen schlichtweg die drei Besten he­rausgesucht. Das ist heute nicht mehr so. Wir müssen uns als Arbeitgeber präsentieren, auf den Bewerbermarkt eingehen – auf die jungen Menschen zugehen – und das in ihrer Sprache.“ Dabei geht es auch aus Sicht von Schmeisser um die alten Vorurteile gegenüber der Branche. Der Abteilungsleiter schildert: „Wir sind nicht einfach ‚nur‘ Versicherungsverkäufer, Klinkenputzer. Wir verkaufen kein Produkt, sondern ein Gefühl. Und zwar ein sicheres: Wenn ich einen Schaden habe, also etwa am Auto oder Haus irgendwas kaputt geht – dass ich dann weiß, dass ich finanziell nicht ruiniert bin.“ An diesem Gefühl und an der damit verbundenen Welt arbeiten bei der Öffentlichen Versicherung Braunschweig unzählige Kollegen: Vertriebler, Marketing-Experten, Facility Manager, IT-Fachleute … und sogar Köche. Die Einstiegsmöglichkeiten – ganz gleich ob Ausbildung oder duales Studium – sind um ein Vielfaches umfangreicher, als man im ersten Eindruck zu denken vermag.

Mit Blick auf den ersten Eindruck hat der Bereichsleiter Vertriebsorganisation noch einen Tipp für Bewerbungen parat: „So plump es klingt, wenn man es sagt, aber Authentizität ist so wichtig. Nicht zu versuchen, künstlich aalglatt herüberzukommen, sondern den eigenen Typ erkennen lassen.“  Methodische Skills ließen sich erlernen: Glaubwürdigkeit, Empathie und Aufmerksamkeit aber seien unabdingbar für zwischenmenschliche Beziehungen. Auch in der Arbeitswelt. Die Worte von Spitzer rundet Schmeisser ab: „Essenziell ist, dass wir das Gefühl bekommen, dass der Bewerber wirklich zu uns möchte, Lust hat sich einzubringen und unseren Wandel mitzugestalten.“

Falk-Martin Drescher

studierte Stadt- und Regionalmanagement und ist gelernter Quartiersmanager, engagiert sich selbst ehrenamtlich als Vorstandsvorsitzender des Braunschweiger Kultviertels. Im Medienbereich selbstständig, neben seiner journalistischen Tätigkeit als Konzepter, Moderator und im Bereich Influencer Relations aktiv. Mit dem The Dude-Newsletters (www.meett hedude.de) informiert er zudem jeden Montagmorgen über ausgewählte Events und Neuigkeiten aus der Region.

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