Skip to main content

Kultur

10. März 2021

Alles ist jetzt!

Ein Interview mit Axel Bosse

Von Jens Richwien

(Fotografie: Tim Bruening)

Axel Bosse, Braunschweiger Jung, sympathischer Star ohne Allüren und Kind der Region. Am 24.08. kommt BOSSE im Rahmen der Volksbank BraWo Bühne endlich wieder nach Braunschweig um die Menschen zum Mitsingen und Tanzen zu bringen. STADTGLANZ Chefredakteur Jens Richwien sprach vorab mit dem ehemaligen Hyperchild und zukünftigen Grönemeyer aus Hemkenrode.

Wenn der 15-jährige Aki durch den Elm geflitzt ist, hätte er sich dann genau das Leben erträumt, das Du jetzt führst?

Der große Traum mit 15 war die Musik. Hätte mir damals im Elm jemand gesagt, wie gut das mal kommen wird, wäre ich aus Freude und Verwirrtheit wahrscheinlich gegen eine Eiche gerannt.

Bei Dir hat man immer das Gefühl der totalen Authentizität. Kann einem das eigene Leben so viel Input geben, um es in Liedern wiederzugeben?

Es ist ja viel los in so einem Leben, da gibt es einiges zu betexten. Ich schreibe immer noch gerne über die kleinen Dinge, die kaputten, das Glück und die Gesellschaft. In allen Bereichen passiert so viel, da muss man nur hinschauen.

Welcher Song war für Dich das Initial für deine Karriere. Wenn ich „Kraft“ höre, habe ich immer dieses Gefühl.

Kraft war der kleine Anfang. Der Song des richtigen Beginns war wahrscheinlich „3 Millionen“. Ab dem dritten Album kamen auch Leute auf die Konzerte. Das war spürbar das Initial.

Sehr häufig animieren Deine Songs die Fans zum Tanzen. Willst Du das schon beim Schreiben erzeugen? Du bist ja selber auch eine „spezielle“ Art von Hüftschwinger.

Jeder Song sollte das bekommen, was er verdient. Ich schreibe zumindest gerne Uptempo. Da kann man gut drauf tanzen. Ansonsten passiert das eher, als dass ich es plane.

„Die schönste Zeit“. Was ist oder war denn die schönste Zeit? Das Album und die Tour heißen „Alles ist jetzt“.

„Schönste Zeit“ ist ja eine Erinnerung. Ich schaue gar nicht so oft zurück. Aber die Zeit aus dem Song war schon perfekt, weil die Kindheit und Jugend einfach so frei von Verantwortungen war und wild romantisch, einsam, pathetisch und so weiter. Wie ein Teenagerfilm eben. Ansonsten bin ich schon Fan davon, dass morgen besser werden soll als gestern.

Wir kennen uns nun auch schon lange. Wenn wir uns treffen, stelle ich fest, dass da unverändert der Typ vom Bolzplatz steht. Irgendwas muss sich doch aber verändert haben. Du hattest diverse Hits, die Nation kennt Dich. Was hat sich verändert an Dir und in Deinem Leben?

Nix. Außer, dass wir etwas älter geworden sind.

„Weiter, geiler, brauch ich nicht mehr“ heißt es in „Alles ist jetzt“. Also möchtest du keine Stadien wie Grönemeyer füllen?

Ich wehre mich gegen nichts, was die Hallengrößen und den Erfolg angeht. Aber ich muss das nicht haben. Ist wirklich so. Diese ganzen fernen Erfolgsziele sind einfach Gift für das Schreiben. Der Druckgehalt ist ja sowieso schon hoch und ich bin einfach sehr zufrieden mit dem, was ich habe.

Als „3 Millionen“ entstand, hast Du noch in Berlin gelebt. Jetzt seid Ihr in Hamburg mit Garten und Co. Fühlst du Dich angekommen?

Angekommen bin ich immer da, wo der Tanzverein meiner Tochter ist. Egal, ob Hamburg oder sonst wo. Trotzdem ist es sehr schön hier in Hamburg.

Bist Du ein nachhaltiger Typ? Baust Du Bienenhotels und verzichtest auf Plastiktüten beim Einkauf?

Ich benutze Jutebeutel beim Einkaufen und bin Selbstversorger, was das Gemüse angeht. Verpackungen machen einfach sehr oft keinen Sinn.

Was denkst Du über unsere Region? Es hat sich doch einiges hier verändert.

Bei vielen neuen Sachen bin ich raus, weil ich immer nur im Stadion bin oder auf dem Dorf bei meinen Eltern. Ich höre aber, dass im Bereich Clubs und Konzerte viel Gutes passiert. Ansonsten war ich letztens mal wieder auf der Oker unterwegs. Braunschweig ist einfach sehr schön.

Unser Thema für diese Ausgabe ist VIELFALT. In Deiner Künstlerwelt dürfte ja Diversität keine Frage sein. Ist das tatsächlich diese bunte Welt, die jedem eine Chance bietet?

Das Problem in dieser Zeit sind einfach die Menschen, die denken, dass sie mehr wert sind als andere. Das sind Idioten und die machen vieles in der Gesellschaft sehr kompliziert und unfair.

Wenn es am 24.08. wie in einem Deiner Songs heißt „Hallo Hometown“ können sich alle freuen auf …?

Eine sehr heiße Truppe, die Bock hat. Bei uns wird immer viel getanzt und losgelassen.

Einen Satz noch zum Nichtabstieg Eintracht Braunschweigs!

Wusste ich. Mehr als verdient. Nächste Saison Aufstieg.

Aki, vielen Dank!

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 12 / Juni 2019.

Jens Richwien

Ehemaliger Fußball-Profi und Freizeit-DJ (Richy Vienna), war über 20 Jahre für die neue Braunschweiger tätig. Die letzten drei Jahre begleitete er STADTGLANZ als Objektleiter und Chefredakteur. Er ist seit Oktober bei der Hygia Gruppe beschäftigt, betreut dort das B2B-Business und arbeitet
weiterhin als freier Redakteur.

Mehr aus dieser Rubrik





Zur Startseite