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Kultur

3. Februar 2026

Barocke Welfenpracht: Schloss Wolfenbüttel

Zu den wenigen erhaltenen Beispielen baulicher Herrlichkeiten der Braunschweiger Welfen gehört das Schloss Wolfenbüttel. Die eindrucksvolle Vierflügelanlage glänzt mit ihrer rot und grau gefassten barocken Fachwerkfassade, über die sich der mächtige Hausmannsturm erhebt.

Von Dr. Christian Lechelt

Fotografie: Museum Wolfenbüttel / Florian Kleinschmidt / Andreas Greiner-Napp

Eine breite Brücke führt über den Schlossgraben, der noch an den mittelalterlichen Gründungsbau erinnert, zum prachtvollen Portal. Vorbei an Personifikationen der Herrschertugenden, die als Skulpturen von ihren Postamenten der Graben- und Brückeneinfassung vom guten Regiment der Braunschweiger Herzöge kündeten, drängt die Neugier ins Innere der Anlage. Dort verleihen Arkaden über drei Etagen ein südländisches Flair.

Die architektonische Opulenz der Fassaden und die Grandeur der vor dem Schloss befindlichen Platzanlage mit dem mächtigen Zeughaus aus dem frühen 17. Jahrhundert lassen auch von den Interieurs der einstigen Welfenresidenz Großes erwarten. Und man wird nicht enttäuscht! Es locken die einzigen erhaltenen hochbarocken Staatsappartements Niedersachsens. Sie sind der Kern des heutigen Schloss Museums: Eine Folge von sechs Räumen bildet das Herzogsappartement, in dem sich die Ausstattung der Gemächer von Raum zu Raum steigert. In der ersten Antichambre – so etwas wie einem luxuriösen Wartesaal für Höflinge, Minister und andere hochrangige Besucher*innen – verweilte man unter einer schweren Stuckdecke und umgeben von großformatigen Gemälden.

Wie wichtig die Sichtbarkeit von Rangunterschieden in der Zeit des Barock war, zeigt sich im Schloss Wolfenbüttel daran, dass dort mit der Braunen Galerie eine zweite Antichambre eingerichtet wurde. Sie war den Gesandten fremder Fürsten und dem Hochadel vorbehalten, die damit schon räumlich näher an den Herrscher heranrückten. Dieser empfing im sich anschließenden Audienzzimmer unter einem Baldachin auf einem Thronsessel. Noch darüber demonstriert an der Decke ein Gemälde die militärische Stärke der Welfen. Allegorisch wird dort der Triumph des Welfenhauses über die Stadt Braunschweig gefeiert, deren Bürgerschaft um 1430 die Herzöge aus ihrer Hauptstadt vertrieben hatten. Deshalb siedelte man ins nahe Wolfenbüttel über. 1671 konnten die Welfen die Braunschweiger in die Knie zwingen, aber erst 1753 verlegten sie ihre Residenz wieder dorthin.

Das Paradeschlafzimmer ist mit seiner goldgelben Seidenbespannung der Höhepunkt des Appartements. Es war aber nicht zum Nächtigen vorgesehen. Wer dort zur Privataudienz empfangen wurde, hatte es in der höfischen Hierarchie bis ganz nach oben geschafft. Schon die Wahl des Farbtons machte damals wie heute deutlich, mit wem sich der seit 1704 allein regierende Herzog Anton Ulrich auf Augenhöhe sah: mit den mächtigsten Königen Europas. Ludwig XIV. von Frankreich hatte es in Versailles so vorgemacht.

Neben dem Herzog-Appartement nimmt sich dasjenige der Herzogin mit drei Räumen bescheidener aus. Zwischen beiden Appartements liegt ein kleiner Festsaal, der nach 1705 als Essgemach genutzt wurde. Auch die Herzogin konnte ihre Gäste in zwei Antichambres warten lassen, die wiederum auch als Speise- und als Spielzimmer genutzt wurden. Wenngleich erst 1957 nach dort versetzt, befindet sich mit dem Intarsienkabinett ein ganz außergewöhnliches Raumkunstwerk im Verbund mit dem Herzoginnenappartement. Ursprünglich für einen anderen Raum des Schlosses vorgesehen, faszinieren die kostbaren Wandverkleidungen aus Walnussholz mit ihren Einlagen aus Elfenbein und Edelhölzern. Jenseits der Staatsappartements besaßen die herzoglichen Schlossbewohner private Appartements, wovon die beiden Schlafgemächer zugänglich sind.

Nachdem die Welfen Mitte des 18. Jahrhunderts nach Braunschweig zurückgekehrt waren, wurde das Wolfenbütteler Schloss vielseitig genutzt. So wird heute der größte Teil als Gymnasium genutzt, auch die Bundesakademie für kulturelle Bildung hat darin ihren Sitz. Das Schloss Museum bietet die einmalige Gelegenheit, die hochbarocke Hofkultur der Welfen am authentischen Ort erleben zu können. Mit dieser verbunden ist letztlich auch die jüngste Erwerbung des Museums: Das berühmte, 185-teilige „Holländische Service“ aus Fürstenberger Porzellan konnte 2024 nach fast zweijährigen Verhandlungen für die Sammlung gesichert werden. <
Dr. Christian Lechelt

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