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Lifestyle

Der Klimawandel ist menschengemacht

Wieso glauben so viele dennoch nicht daran?

Von Eric Spruth

Nun, wann immer Menschen Informationen auswählen, untereinander austauschen oder diskutieren, unterliegen sie psychologischen Effekten, die in Abhängigkeit etwa von individuellen Persönlichkeitseigenschaften mehr oder weniger stark ausfallen können. Diese Effekte treten bei uns sowohl offline, als auch online auf. Unter den Bedingungen sozialer Netzwerke können die Wirkungen jedoch ungleich größer ausfallen, da andere, auch technologische Effekte, sie verstärken können. Die technologischen Effekte werden, in diesem Kontext vor allem dazu genutzt, um uns länger auf den jeweiligen sozialen Netzwerken zu halten. Ein probates Mittel, dieses Ziel zu erreichen, ist uns verstärkt Beiträge oder Meinungen anzuzeigen, die unserem jeweiligen Meinungsbild entsprechen. Auch die Vernetzung mit gleichgesinnten wird uns möglichst einfach gemacht. Gerade deshalb ist mit dem Aufkommen sozialer Netzwerke eine verstärkte Polarisierung des Meinungsklimas zu beobachten. Ob wir nun an den menschengemachten Klimawandel glauben oder nicht. Die Effekte treten bei jedem von uns auf. Wir schustern uns unser Meinungsbild also, so zusammen, wie es uns gerade passt. Sich diesem Phänomen möglichst wertneutral bewusst zu werden, ist das Ziel dieses Beitrages. Die folgenden fünf Effekte treten hierbei besonders häufig auf:

Confirmation Bias:

„Das habe ich doch schon immer gewusst!“:

Hiermit bezeichnen Psychologen den Umstand, dass wir Informationen vorzugsweise so auswählen, deuten und erinnern, dass sie unsere bereits bestehende Sichtweise stützen.

Partisan Bias:

„War doch klar, dass die wieder anderer Meinung sind!“

Dieser Effekt bezeichnet eine Wahrnehmungsverzerrung zugunsten der eigenen Bezugsgruppe. Informationen aus gegnerischen Communitys werten wir ab, inkohärente oder fehlerhafte Informationen aus der eigenen bewerten wir hingegen milder.

Backfire-Effekt:

„Schon wieder ein Versuch mit zu beeinflussen! Doch ich kenn die Wahrheit!“

Hierunter fassen Psychologen den Umstand, dass Versuche, inhaltlich falsche Annahmen durch Bereitstellung geprüfter Fakten von neutraler Seite auszuräumen, mitunter bewirken, dass Menschen ihre irrigen Standpunkte im Anschluss umso vehementer vertreten.

Emotional Contagion:

Dieser auch unter „Gefühlsansteckung“ bekannte Effekt besagt, dass sich Menschen in Gruppendiskussionen an den affektiven Zustand ihrer Peers angleichen. So ist bekannt, dass Facebook-Nutzer nach dem Lesen trauriger oder fröhlicher Kommentare ihrer Freunde selbst häufiger Beiträge in entsprechender Tonlage posten.

False News Value Effekt:

„Ach echt, das hätte ich so jetzt nicht gedacht, ist ja interessant!“

Er besagt, dass Falschmeldungen ein besonders dynamisches Ausbreitungsverhalten (in sozialen Medien, vermutlich aber auch ganz allgemein) zeigen, weil die Teilenden mit ihnen ihr soziales Ansehen stärker steigern können als mit (längst) validierten und (bekanntermaßen) wahren Aussagen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Stadtglanz Print-Ausgabe 16 / Oktober 2020.

Eric Spruth

Teamleiter Marketing bei der Braunschweiger Baugenossenschaft eG & Vorstand im Marketing-Club Braunschweig e.V