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Wirtschaft

10. Juni 2021

Wie gelingt der Wirtschaft der Neustart aus der Krise?

Durch gute Rahmenbedingungen, Zusammenhalt und Zuversicht.

„Die Wirtschaft braucht jetzt die besten Standortbedingungen“

Corona und die damit verbundenen Auflagen haben die regionale Wirtschaft hart getroffen. Wie ist die Situation aktuell?

Die Unternehmen im Wirtschaftsraum Braunschweig-Wolfsburg kämpfen sich weiterhin nur mühsam aus dem Corona-Tal heraus. Und laut unserer Konjunkturumfrage für das erste Quartal 2021, die wir zusammen mit der IHK Braunschweig durchführen, gibt auch der Blick auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden Monaten keinen Anlass für Euphorie. Besonders katastrophal ist die Ausgangslage für weite Teile des Einzelhandels und für den Hotel- und Gaststättenbereich.

Wie sieht es in der Industrie, speziell dem für Wolfsburg wichtigen Bereich Automotive aus?

Für die Industrie, die von den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung zumeist nicht grundlegend betroffen ist, haben sich die Geschäfte laut unserem Konjunkturbericht in der Tat zum Besseren gewendet. Die Industrie-Unternehmen verzeichnen wieder höhere Auftragseingänge und auch den Auftragsbestand beurteilen sie wieder positiv. Der Bereich Automotive – die mit Abstand beschäftigungsstärkste Branche Niedersachsens – meldet eine Belebung des Geschäfts, hat allerdings mit Materialknappheit zu kämpfen. So gibt es aktuell im Automotive-Bereich beispielsweise Engpässe bei Zulieferteilen wie Computerchips.

Was muss passieren, damit es wieder aufwärts geht?

Für die regionale Wirtschaft sind die jüngsten Lockerungsschritte inklusive dem Stufenplan insgesamt ein positives Signal. Allerdings ist die niedersächsische Corona-Verordnung mit über 60 Seiten inzwischen eher unübersichtlich. Dabei brauchen die Betriebe klare und verlässliche Aussagen, um organisatorische Vorbereitungen zu treffen und das knappe Personal rechtzeitig einzuplanen. Insgesamt ist es jetzt wichtig, die Unternehmer nicht noch mehr Bürokratie zu entasten. Die Folgen der Krise können nur durch Wachstum bewältigt werden – dafür braucht die Wirtschaft jetzt die besten Standortbedingungen.

Wie können die Weichen für die besten wirtschaftlichen Standortbedingungen gestellt werden?

Mit unserem Jahresthema #GemeinsamWirtschaftStärken legen wir als IHKLW 2021 einen Schwerpunkt auf die Themen Bürokratieabbau, Fachkräftesicherung durch Aus- und Weiterbildung, Innovationsförderung und Digitalisierung. Das sind die Stellschrauben, an denen wir – Unternehmen, Politik und unsere IHKLW – jetzt gemeinsam drehen müssen. Wir brauchen eine bessere Erreichbarkeit durch die Realisierung zentraler Verkehrsinfrastrukturprojekte, eine flächendeckende Breitbandversorgung, ein Stopp der immer weiter steigenden Gewerbesteuern sowie Bürokratieabbau. Nachweis- und Meldepflichten müssen reduziert, die Digitalisierung von Verwaltungsvorgängen vorangetrieben werden. Zum Glück sind Städte wie Wolfsburg, Braunschweig und Salzgitter sowie der Landkreis Gifhorn da gemeinsam auf einem guten Weg und kooperieren im Bereich E-Government. Dabei geht es darum Synergien zu schaffen, Prozesse zu optimieren – und das Onlinezugangsgesetz umzusetzen. Bis Ende 2022 sollen alle Verwaltungsleistungen von Bund, Ländern und Kommunen über Verwaltungsportale digital angeboten werden. Das wäre für alle Bürger und für Betriebe eine enorme Erleichterung.

Und wie kann der Neustart speziell im Handel und im Tourismus gelingen?

Die Härtefallhilfen und andere Corona-Förderprogramme sind ein Anfang – wenn sie denn schnell ausgezahlt werden. Auch begrüßen wir als IHKLW, dass das niedersächsische Quartiersgesetz (NQG) jetzt Business Improvement Districts (BIDs) auf rechtssicheren Füßen steht. In Kombination mit dem von der Landesregierung geplanten Förderprogramm für Innenstädte über 117 Millionen Euro wird das Quartiersgesetz dazu beitragen, unsere Zentren attraktiv zu halten. Der Handel braucht außerdem mehr denn je den Rückhalt der Kunden vor Ort. Was jedem klar sein muss: Alle, die jetzt ihre lokalen Händler, Gastromiebetriebe und Dienstleister unterstützen, gestalten ihr eigenes Lebensumfeld mit. Die Wolfsburg Wirtschaft und Marketing bringt es mit dem Slogan der aktuellen Kampagne sehr gut auf den Punkt: „Zusammen sind wir Wolfsburg“. Das ist die Idee, die wir als IHKLW auch mit der Aktion Heimat shoppen aufgreifen, die in diesem Jahr am 10. und 11. September startet: Jeder Einkauf und jedes Essen im Restaurant trägt dazu bei, dass unsere Innenstädte lebendig bleiben. Außerdem zahlen unsere regionalen Unternehmen vor Ort Gewerbesteuer, insofern ermöglichen die Kunden indirekt auch Investitionen in Infrastruktur und Arbeitsplätze.

Jetzt anmelden zum IHKLW-Sommerfest

Beim digitalen Sommerfest der IHK Lüneburg-Wolfsburg am Montag, den 14. Juni, ab 17.30 Uhr, steht das Credo #GemeinsamWirtschaftStärken mit Mittelpunkt. Im Gespräch mit Unternehmerinnen und Unternehmern und dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil werfen IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann, IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert einen Blick auf all die Themen, die den regionalen Unternehmen jetzt helfen, mit Vollgas aus der Krise zu starten.

Referent ist der ehemalige wirtschaftsweise Prof. Dr.  Lars P. Feld, Direktor des Walter Eucken Instituts und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums. Der Experte für Wirtschaftspolitik wird ausgehend von aktuellen Analysen einen Blick in die Zukunft werfen.

Das inhaltliche Programm startet um 18.00 Uhr, zum Auftakt des IHKLW-Sommerfests können die Gäste bereits ab 17.30 Uhr Live-Musik genießen und im Anschluss in Zoom-Breakout-Sessions untereinander netzwerken. Die Veranstaltung wird gegen 19.30 Uhr enden. Wer beim IHKLW-Sommerfest dabei sein will, kann sich kostenfrei anmelden unter ihklw.de/sommerfest_2021.

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