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Lifestyle

Klimaschutz und Klimakrise

Wer trägt die Verantwortung?

Von Anna Charlotte Groos

Fotografie: Adobe Stock/baluchis, Asagung

Mit einem Schild und der Beschriftung „SKOLSTREJK FÖR KLIMATET“ startete die damals 15-jährige Greta Thunberg 2018 einen Schulstreik, der zu einer internationalen Bewegung werden sollte: Bereits 7 Monate später, am 15. März 2019, fand der durch Fridays For Future erste weltweit organsierte Klimastreik mit insgesamt 1,8 Millionen Teilnehmern statt. Die Forderung: Der Staat müsse das Thema Klimakrise endlich ernst nehmen und sich an die Vereinbarungen des Pariser Abkommens zum Klimaschutz halten.

Im Wesentlichen bestehen die Ziele des Abkommens aus drei Punkten:

  • 1. eine Begrenzung des Temperaturanstiegs unter 2, besser noch auf 1,5 Grad Celsius,
  • 2. weniger Ausstoß von Treibhausgasen wie CO2, gleichauf mit der Fähigkeit, sich besser an den Klimawandel anpassen zu können sowie
  • 3. das miteinander in Einklang bringen der Finanzmittelflüsse und Klimaziele.

Obwohl bereits seit den 1980er-Jahren bekannt ist, dass eine globale Klimakrise existiert und diese eine existenzielle Bedrohung darstellt, scheint es, dass es erst das Aufbrausen der jüngeren Bevölkerung brauchte, damit dieses Thema weltweite gesellschaftliche sowie politische Beachtung fand. Und auch wenn sich im Jahr 2015 insgesamt 197 Staaten auf ein globales Abkommen zum Klimaschutz einigten, 189 Staaten dieses bis Mitte 2020 ratifizierten — womit es als rechtskräftig und verbindlich gilt —, hinken die Staaten in der Umsetzung des Abkommens immer noch weit hinterher.

Doch nicht nur der politische Aktivismus und das Umweltbewusstsein zahlreicher junger Menschen kamen zum Vorschein, auch die Gegenstimmen wurden groß: Greta wolle uns alle manipulieren und sei nur ein PR-Produkt mächtiger Spieler im Hintergrund, die Klimakrise existiere überhaupt nicht, Änderungen des Lebensstils seien zu aufwendig und überhaupt: Was könne man als einzelne Person schon für die Umwelt tun?

Doch wer trägt denn nun die Verantwortung im Umgang mit der Klimakrise? Die schlafende, nicht in die Gänge kommende Politik? Die änderungsresistente Bevölkerung?

Natürlich wäre es toll, wenn keine von oben auferlegten Regeln nötig wären, um ein umweltbewussteres und klimafreundlicheres Verhalten in der Gesellschaft konsequent zu etablieren, wie zum Beispiel der Verzicht auf Flugreisen oder Fleisch. Doch die Realität zeigt ein anderes Bild.

Unser modernes Zeitalter, alles jetzt sofort und überall in kürzester Zeit haben zu können und zu wollen, hat uns zu ignoranten Umweltverschmutzern werden lassen.

Auf der anderen Seite hat unser Staatsapparat auch die Verantwortung, der Klimakrise durch sofortige Maßnahmen entgegenzuwirken — und zudem die Bevölkerung vor gefährlichem Verhalten zu schützen, wie es zum Beispiel durch Verkehrsregelungen geschieht. Sollte uns der Staat also stärkere Reglementierungen auferlegen, damit wir dazu gezwungen werden, unsere Komfortzone zu verlassen?

Dabei geht es jedoch nicht nur um Beschränkungen, sondern auch um ein Entgegenkommen. Denn wofür entscheidet sich der Otto-Normalbürger wohl, wenn er vor der Entscheidung steht, einen Kurzstreckenflug für 10 Euro zu buchen oder für eine Zugfahrt seinen ganzen Geldbeutel zu plündern?

Greta Thunberg, ihr Schulstreik und die daraus resultierende Bewegung Fridays For Future zeigen vor allem die Gewichtung und Dringlichkeit dieses Themas auf; und nicht zuletzt zeugen die rasante Verbreitung und der globale Aktivismus von der Tatsache, dass dieses Thema längst überfällig war.

Doch unsere Gesellschaft funktioniert nicht im Alleingang, weder ohne einen sich kümmernden Staat, noch ohne die handelnde Bevölkerung.

Wir, als Weltgesellschaft, müssen endlich tätig werden und anfangen, die Verant-wortung gemeinsam zu tragen und unsere vermeintliche Alternativlosigkeit zu hinterfragen.

 

 

Dieser Artikel erschien zuerst als Titelstory zum Thema GREEN in der Stadtglanz Print-Ausgabe 16 / Oktober 2020.