Lifestyle
Was läuft eigentlich gut?
Katastrophen ereignen sich schlagartig, sind aber zeitlich oder lokal begrenzt. Fortschritt ist langsam, findet aber auf breiter Front statt. Unser Gehirn ist darauf optimiert, schnelle Veränderungen wahrzunehmen. Alarmismus verkauft sich daher blendend. Aber was läuft eigentlich unbemerkt gut?
Von Dr. Jan Plöger
Erholung der Tiger in Indien
In Indien zeigt sich eine weitere Bestätigung der Regel, dass ein steigender Lebensstandard meist zu mehr Umweltschutz führt. Nach einer aktuellen Zählung leben in Indien mit 3.600 Tieren doppelt so viele Tiger wie 2010. Indien erntet damit die Früchte einer konsequenten Tigerschutzpolitik mit vergrößerten Reservaten, Anti-Wilderei-Gesetzen und Programmen zum Schutz der Bevölkerung in Gegenden, in denen Menschen und Tiger leben.
Neuer Ansatz gegen Malaria
Malaria bleibt in weiten Teilen der Welt eine gefährliche Krankheit. Jedes Jahr werden 260 Millionen Menschen durch Moskitostiche mit dem Parasiten Plasmodium infiziert, 600.000 davon sterben, darunter 80% Kinder. Der klassische Ansatz ist, die Moskitos mit Insektiziden zu bekämpfen und damit dem Parasiten den Überträger zu nehmen. Immer mehr Moskitos werden aber gegen gängige Insektizide immun. Zudem breiten sich Plasmodium-Varianten aus, die gegen Malaria-Medikamente resistent sind.
Eine US-Arbeitsgruppe hat nun einen anderen Ansatz gefunden: In der Natur existieren bereits Moskitos, bei denen ein Protein so verändert ist, dass Plasmodium in den Moskitos nicht überleben kann. Deren Erbgut wird in Moskitos transferiert, denen diese Eigenschaft fehlt. Durch einen zusätzlichen sogenannten Gene Drive (Genantrieb) wird erreicht, dass sich das Erbmaterial, das das „gute“ Protein kodiert, gegen das Erbmaterial durchsetzt, das ein für die Parasiten hilfreiches Protein kodiert. In der natürliche Moskitopopulation setzen sich dann die Moskitos durch, in denen die Parasiten nicht überleben können. Die Moskitostiche bleiben, sie sind aber harmlos. Bislang ist dieses Verfahren noch nicht in der natürlichen Umgebung getestet, aber wenn es auch dort funktioniert, wäre es gut für die Menschen (und die Moskitos) und fatal für die Parasiten.
Qualitätssprung in der medizinischen
Beratung durch KI
Ärzte werden in der Regel mit zunehmender Erfahrung besser, aber jeder Arzt kann nur eine endliche Anzahl an Patienten behandeln. Außerdem kann ein Arzt unmöglich alle medizinischen Studien kennen, die bereits veröffentlicht wurden. Bei KI-Systemen ist das anders, diese können unbegrenzt medizinische Informationen speichern und systematisieren. Ein KI-System hat nun in den USA am Mediziner-Examen teilgenommen und mit 100% der Punkte mit Abstand am besten abgeschnitten.
Selbst kostenlose KI-Programme wie ChatGPT können, wenn man die Symptome gut beschreibt, gute Hinweise geben, welche Krankheit vorliegen könnte. Gerade seltene Krankheiten (und davon gibt es viele!) übersieht eine KI seltener als ein Arzt. KI in der Medizin steht erst am Anfang und dennoch ist abzusehen, dass es die Diagnosen verbessert und verbilligt. Und damit uns alle schneller gesund werden lässt.
Bahnbrechende Therapie für Diabetes 1
Diabetes 1 ist eine angeborene Krankheit, bei der der Körper nicht in der Lage ist, hinreichend viel Insulin zu produzieren, und tritt bereits bei Kindern auf. Die bislang einzige Therapie ist die lebenslange Injektion von Insulin. In einer kleinen Studie wurden 12 Patienten Stammzellen injiziert, die sich in der Bauspeicheldrüse zu Inselzellen entwickelt haben (https://www.nejm.org/doi/abs/10.1056/NEJMoa2506549). Diese Inselzellen produzieren Insulin (von insula, lat. für Insel). 10 der Patienten sind seit der einmaligen Behandlung vollständig von externem Insulin unabhängig. Wenn dieses Ergebnis reproduzierbar ist (und die Kosten der Behandlung erträglich), wäre das ein Durchbruch für Diabetes-1-Patienten: eine einzige Behandlung statt täglich mehrerer Spritzen.
Erstes Fusionskraftwerk wird gebaut
Kernfusion ist der Prozess, der in der Sonne ihre gewaltige Leistung freisetzt, und es ist ein langer Traum, diese Energie auch auf der Erde nutzen zu können. Der am häufigsten verfolgte Ansatz ist, dauerhaft so heißes Plasma (~ 150.000.000 °C) herzustellen, dass Atomkerne fusionieren. Das ist so schwer wie es klingt.
Das US-Unternehmen Helion verfolgt einen anderen Ansatz: das zu fusionierende Material (ein Gemisch aus Deuterium und Helium-3) wird ionisiert, sodass ein Plasma entsteht, mittels Magneten stark beschleunigt und auf ein zweites Plasmapaket geschossen. Beide werden stark komprimiert, es kommt zur Fusion und die Fusionsprodukte fliegen mit hoher Geschwindigkeit auseinander. Das wiederum – und das ist der Kniff – erzeugt einen Spannungspuls in den Magneten, der nutzbare Energie liefert. Die hohe Temperatur muss also nur für eine sehr kurze Zeit erreicht werden.Die Ausgangsstoffe können aus Wasser hergestellt werden, das Produkt des Fusionsprozesses ist Helium und im Vergleich zu chemischen Reaktionen wird das Millionenfache an Energie freigesetzt. Viel Strom aus wenig Wasser, wer hätte gedacht, dass das einmal in greifbarer Nähe ist!
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