Skip to main content

Wirtschaft

15. Oktober 2025

Das haben wir schon immer so gemacht“ zählt nicht

Das Innovationslabor der AWO bringt neue Ideen in die Region

Von Lina Tauscher

Fotografie: Marc Stantien

Ein leeres Schwimmbecken, volle kreative Köpfe: Im ThinkPool in Querum, dem Innovationslabor des AWO-Bezirksverbands Braunschweig e.V., entstehen neue Konzepte gegen den Strom der Gewohnheit. Denn Veränderung beginnt mit einem notwendigen Perspektivwechsel, der oft schwerfällt – besonders in Organisationen, in denen Prozesse und Strukturen seit Jahren bestehen. „Veraltete Denkmuster zu erkennen, ist gar nicht so leicht. Vor allem, wenn Erfahrung zu Scheuklappen führt“, sagt Jonas Schönleber, Innovationsmanager der AWO. Um diese Muster aufzubrechen und Platz für neue Ideen zu schaffen, lädt die AWO zu einem Sprung in den ThinkPool ein.

Eintauchen in neue Gedanken

Das Becken des früheren Schwimmbads ist heute ein Ort für Kreativität, Austausch und neue Perspektiven. Gruppenworkshops, Einzelcoachings und individuelle Beratungen finden hier statt – begleitet von einem Team erfahrener InnovationsmanagerInnen, die auf die Gestaltung sozialer und wirtschaftlicher Prozesse spezialisiert sind. Auch eigene Veranstaltungen können hier von externen Organisationen durchgeführt werden.

Der kreative Ort öffnet die kognitiven Schleusen und lädt zum Eintauchen ein – in neue Denkansätze, aber auch in alles, was sich vielleicht verabschieden darf. Denn nicht jede Neuerung bedeutet, etwas völlig Neues zu erschaffen. Manchmal geht es auch darum, etwas loszulassen. „Exnovation“ vor Innovation – also: Was kann weg? Was hält uns auf? Welche Strukturen sind überholt? Das Ziel besteht darin, Organisationen flexibler und anpassungsfähiger zu gestalten, gerade in Zeiten des Wandels.

Workshops für Unternehmen

Im ThinkPool geht es nicht nur ums Nachdenken, sondern vor allem ums Gestalten. In Formaten wie „Kill Meetings“ werden Zeitfresser und ineffiziente Routinen identifiziert. Die Teilnehmenden arbeiten gemeinsam an Lösungen, die sie direkt in ihren Arbeitsalltag übertragen können. „Der Satz ,Das haben wir doch schon immer so gemacht!‘ ist der größte Innovationskiller überhaupt“, ist sich Schönleber sicher. Oft helfe es, wenn eine externe Person die Prozesse genauer unter die Lupe nimmt. Deshalb richtet sich das Angebot nicht nur an interne Teams der AWO – sondern auch an externe PartnerInnen aus der Region, beispielsweise aus der Sozialwirtschaft oder Finanzbranche. Wer ein Ticket für das Baden im Ideenreichtum bucht, bekommt auf Wunsch das All-in-Paket inklusive aller notwendigen und kreativen Arbeitsmaterialien und Catering-Service. Die Workshops können auch digital umgesetzt werden.

Der Bedarf ist groß, denn die Arbeitswelt hat sich verändert. Digitalisierung, neue Anforderungen an Arbeitgebende und Arbeitnehmende, Fachkräftemangel – all das verlangt nach neuen, agilen Ansätzen.

Innovation braucht psychologische Sicherheit

Ein zentrales Prinzip im ThinkPool ist psychologische Sicherheit. Nur wenn Menschen sich sicher fühlen, ihre Meinung zu sagen, Fehler zu machen und neue Wege zu gehen, können wirklich innovative Ideen entstehen. „Wir setzen auf Mitgestaltung statt Handbucharbeit“, erklärt der Innovationsmanager, „auf individuelle Lösungen statt auf starre Vorgaben!“ Dabei steht der Mensch immer im Mittelpunkt – nicht als Funktionsträger, sondern als Persönlichkeit mit Ideen, Werten und Bedürfnissen.

Von der Idee bis zum fertigen Produkt – der AWO-Ideenwettbewerb

Der Ursprung des Innovationslabors liegt im Jahr 2017 – mit dem Start des internen Ideenwettbewerbs der AWO. Ziel war es, die Potenziale der eigenen Mitarbeitenden zu nutzen und Ideen aus der Praxis für die Praxis umzusetzen. Heute ist aus diesem Wettbewerb ein dauerhaftes Format geworden, das auch externen Organisationen offensteht. Alle zwei Jahre stellen Mitarbeitende oder Partnerorganisationen ihre Ideen in einem Pitch vor – eine Jury wählt ein Projekt aus, das umgesetzt werden kann. Und oft steckt mehr dahinter als wirtschaftlicher Erfolg: Viele Teilnehmende erleben persönliche Weiterentwicklung, entdecken neue Stärken und gestalten die Gesellschaft aktiv mit.

Ein aktuelles Beispiel: Mitarbeiterinnen aus der Öffentlichkeitsarbeit und der Kita-Fachberatung haben ein spielbasiertes Lernformat entwickelt, das persönliche Werte mithilfe eines Brettspiels erfahrbar machen soll. Das Projekt entstand aus dem Wunsch, gesellschaftliche Themen spielerisch zu vermitteln und zeigt, wie nah persönliche Überzeugung und berufliches Engagement beieinander liegen können.

„Wir denken in den Workshops ganzheitlich an die einzelnen Personen – wie beim Ideenwettbewerb“, so Schönleber.

Raum für Zukunft

Das Innovationslabor steht für Mut, Offenheit und Raum für echte Mitgestaltung, die in der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken sind. Innovationen entstehen nicht durch Zufall – sie brauchen Strukturen, die sie ermöglichen und Menschen, die sich trauen, alte Denkweisen zu hinterfragen. Denn Zukunft gestalten nicht diejenigen, die sagen: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ Sondern die, die fragen: „Was könnte morgen möglich sein?“ 

Mehr aus dieser Rubrik





Zur Startseite