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Kultur

30. Juli 2026

Schloss Wolfsburg

Renaissance und Moderne

Von Dr. Christian Lechelt

Foto: Von Kirchenfan

Zu den vielfältigsten Kulturorten der Region 38 gehört zweifellos das Schloss Wolfsburg. Nachdem es 1302 erstmals urkundlich erwähnt wurde, hat es eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Wie es bei Schlossbauten dieses Alters üblich ist, steckt im Kern der Wolfsburg eine spätmittelalterliche Wehranlage. Die Lage in Sichtweite der Aller war strategisch gut gewählt durch das Adelsgeschlecht derer von Bartensleben. Fast 500 Jahre navigierte die Familie mit großem Geschick zwischen den regionalen Machtblöcken der Braunschweiger Herzöge, der Markgrafen von Brandenburg und den Magdeburger Erzbischöfen – sie dienten ihnen allen als Lehnsleute und verhielten sich bei Konflikten neutral. Auf diese Weise erlangten sie einen kompakten Herrschaftsbereich mit der Wolfsburg im Zentrum. Die Welfen waren davon aber nicht restlos begeistert, sodass es in den 1370er-Jahren zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Knapp 100 Jahre später wurde es noch einmal brenzlig, als Herzog Otto von Lüneburg gegen Herzog Heinrich II. von Braunschweig ins Feld zog. Doch die Wolfsburg bewies ihre Wehrhaftigkeit und widerstand Belagerung und Beschuss. 

Mit der frühen Neuzeit begann eine glanzvolle Epoche für das Gemäuer. Unter Hans von Bartensleben (1512–1583, auch genannt „der Reiche“) begannen ab 1575 umfangreiche Bauarbeiten, die von seinen Nachfolgern weitergeführt wurden und aus der mittelalterlichen Burg eine prachtvolle, vierflügelige Schlossanlage im Stil der Weserrenaissance machten. In den konfliktbeladenen Religionsfragen seiner Zeit tat sich Hans mit außergewöhnlicher Toleranz hervor. Vertraglich versicherte er allen Familienmitgliedern und Untertanen die freie Ausübung des protestantischen wie des katholischen Glaubens. Darüber hinaus brachte er sein Vermögen in eine wohltätige Stiftung ein zur Unterstützung der Armen und Bedürftigen. So machtvoll das Schloss auch heute noch wirkt, wurde es aber erst viel später zum Stadt- und kulturellen Zentrum. Nachdem die von Bartensleben im Mannesstamm 1742 ausstarben, gelangte der Besitz an die Grafen von der Schulenburg. Als sich schließlich die Nationalsozialisten ab 1937 anschickten, mitten im Reichsgebiet eine gigantische Automobilfabrik für den sogenannten „Kraft-durch-Freude-Wagen“ nebst einer Musterstadt für die Tausenden von Arbeitskräften zu errichten, fiel die Wahl auf den Landstrich rund um das Schloss und den Mittellandkanal. Günther Graf von der Schulenburg veräußerte dafür zunächst rund 2000 Hektar Grund und Boden, 1943 schließlich auch das Schloss. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entschied die Stadtverwaltung, den Namen des Schlosses auf die Stadt zu übertragen. 

Das Gebäude überstand die Kriegshandlungen weitestgehend unbeschadet. Bis zum Ende der 1950er-Jahre diente es verschiedenen Zwecken, mal war es ein Schwerbeschädigtenheim, mal waren dort Flüchtlinge aus der DDR untergebracht. Diese Nutzungen, aus der Not der Zeit heraus geboren, waren allesamt nicht von Dauer und konnten weder funktional noch ideell dem Baudenkmal gerecht werden.

Als junge Stadt hatte Wolfsburg den Vorteil, sich konsequent dem Blick nach vorn hingeben zu können. Unbelastet von Traditionen – die unmittelbare, grausame NS-Vergangenheit wurde in wirtschaftswunderzeitlich üblicher Weise verdrängt – bot dies Raum und Möglichkeiten, um sich in Kunst und Kultur ganz gegenwartsbezogen aufzustellen: „Junge Stadt sieht Junge Kunst“ hieß 1959 der erste Kunstpreis, gleichzeitig wurde der städtische Kunstverein gegründet. Das Schloss wurde zum Ort der Gegenwartskunst und Heimstatt für KünstlerInnen. 
 
Heute beherbergt das Schloss neben dem Kunstverein die 1974 eingezogene Städtische Galerie, das Institut Heidersberger, das sich dem Werk dieses Ausnahmefotografen widmet, und das Stadtmuseum. Ein vielfältiges Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm sorgt über das ganze Jahr für Attraktionen.

Öffnungszeiten
Mittwochs bis sonntags 12 bis 18 Uhr

Kunstverein, Städtische Galerie, 
Stadtmuseum im M2K
Schlossstraße 8
38448 Wolfsburg
kunstverein-wolfsburg.de
staedtische-galerie-wolfsburg.de
wolfsburg.de/stadtmuseum

 

Dr. Christian Lechelt
Kunsthistoriker, Leiter des Museums Schloss Fürstenberg. Experte für die Kunst- und Kulturgeschichte des europäischen Porzellans vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Vizepräsident der Gesellschaft der Keramikfreunde e. V. und Redakteur der Zeitschrift KERAMOS.

 

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