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Wirtschaft

30. Juli 2026

Der Wolfsburger Dennis Weilmann

über Kindheit, Familie, Verantwortung und die Liebe zur Heimat – ein persönliches Gespräch:

Von Timo Grän

Im Superwahljahr fragen wir anders. Nicht Programme, Mehrheiten oder politische Positionen stehen im Mittelpunkt dieser Stadtglanz-Reihe. Uns interessiert der Mensch hinter dem Amt. Stadtglanz hat deshalb Wolfsburgs Oberbürgermeister Dennis Weilmann getroffen. Entstanden ist ein sehr persönliches Gespräch über Kindheit in Westhagen, über Familie, Heimat, Freundschaften, den VfL Wolfsburg und die Frage, was im Leben wirklich zählt. Dabei zeigt sich ein Mann, dessen Geschichte untrennbar mit seiner Heimatstadt verbunden ist.

Wo beginnt Ihre Geschichte?

DW:  Ich bin 1975 in Wolfsburg geboren. Auch meine Eltern sind schon in Wolfsburg geboren, was für eine junge Stadt wie Wolfsburg gar nicht so selbstverständlich ist. Wolfsburg wird in diesem Jahr 88 Jahre alt. Ich bin im Stadtteil Westhagen aufgewachsen, habe dort meine Kindheit verbracht und später meine Jugend in der Nordstadt erlebt. Heute lebe ich mit meiner Frau und meinen Kindern in Wendschott. Wolfsburg ist für mich immer Heimat gewesen. Ich habe über die Jahre eine sehr enge Bindung zu dieser Stadt entwickelt und könnte mir nicht vorstellen, Oberbürgermeister einer anderen Stadt zu sein. Für diese Aufgabe braucht es aus meiner Sicht eine besondere emotionale Verbindung.

Was war Westhagen damals für Sie?

DW:  Westhagen war damals ein sehr junger, moderner Stadtteil. Viele junge Familien haben dort gelebt. Für mich war das ein spannender Ort zum Aufwachsen. Ich hatte dort viele Freunde, bin dort vormittags zur Grundschule gegangen, nachmittags auf den Bauspielplatz und habe diese Zeit sehr genossen. Natürlich hat sich Westhagen verändert. Heute ist der Stadtteil sehr international geprägt. Aber für mich bleibt Westhagen immer ein Stück Heimat. Deshalb freut es mich auch, dass wir im Rat wichtige Entscheidungen für die Zukunft Westhagens getroffen haben – etwa rund um das Einkaufszentrum und das Schulzentrum.

Wie haben Sie Ihre Kindheit erlebt?

DW:  Ich hatte das Glück, noch sehr frei aufzuwachsen. Eine Kindheit und Jugend ohne Handy. Wir waren einfach viel unterwegs – in Westhagen, später in der Nordstadt, im Schlosspark, in den Wäldern, in der Innenstadt, mit Freunden. Das war eine sehr behütete, aber auch abwechslungsreiche Zeit. Ich habe die Infrastruktur dieser Stadt schon als Kind stark genutzt: das VW-Bad, Badeland, später den Kaufhof, die Diskotheken wie Stardust oder Esplanade, die Sportvereine. Wolfsburg hatte schon damals viel zu bieten – und ich habe vieles davon intensiv erlebt.

Welche Rolle spielte Sport in Ihrer Jugend?

DW:  Eine große. Ich habe Fußball und Tennis gespielt, insbesondere beim VfR Eintracht und beim TV Jahn Wolfsburg. Bis heute bin ich sportlich aktiv, unter anderem in meinem Heimatdorf beim WSV Wendschott in der Tennissparte. Heute freue ich mich besonders, dass ich mit meinem Sohn Tennis spielen kann. Das ist eine schöne Verbindung zwischen meiner eigenen Jugend und meinem heutigen Familienleben.

Was war größer: Fußball oder Tennis?

DW:  Als Fan eindeutig Fußball. Ich bin seit rund 40 Jahren großer Fan des VfL Wolfsburg. Schon zu Oberliga-Zeiten habe ich die Spiele mit meinem Vater besucht, später dann mit meinen eigenen Söhnen. Sportlich habe ich immer gerne Tennis gespielt, aber emotional ist der Fußball schon sehr stark.

Das heißt: Auch schwierige VfL-Zeiten ändern daran nichts?

DW:  Nein. Ich war in allen Ligen dabei. Ich habe Titelgewinne, Auf- und Abstiege erlebt und bin sicher, dass ich auch wieder den nächsten Aufstieg erleben werde.

Sie sprechen von einer sehr freien, behüteten Kindheit. Waren Sie eher ein braver Junge oder ein Lausebengel?

DW:  Das weiß ich gar nicht so genau. Wahrscheinlich mal so, mal so. Wenn Sie meine Eltern fragen würden, würden sie vermutlich sagen, dass sie mit mir wenig Probleme hatten. Aber ich habe meine Jugend durchaus genossen und intensiv erlebt.

Sie sind Einzelkind. Hat das Sie geprägt?

DW:  Ich bin ohne Geschwister aufgewachsen, hatte aber immer einen sehr großen Freundeskreis. Viele Freundschaften reichen weit zurück. Mein ältester Freund ist nur wenige Tage jünger als ich. Mit ihm habe ich schon meine ersten Wochen und Monate in Westhagen verbracht. Zu ihm habe ich bis heute einen sehr engen Draht, auch wenn er viele Jahre nicht in Wolfsburg gelebt hat. Auch aus der Nordstadt und aus Jugendzeiten gibt es viele Menschen, zu denen ich noch Kontakt habe. Einige waren bei meinem 50. Geburtstag dabei. Das war schön, viele wieder zusammenzubringen.

Wie sieht Ihre Familienkonstellation heute aus?

DW:  Ich bin seit 20 Jahren sehr glücklich verheiratet. In diesem Jahr haben meine Frau und ich unseren 20. Hochzeitstag gefeiert. Wir leben mit unseren beiden Söhnen und unserem Hund in Wendschott. Die Jungs sind inzwischen 17 und 15 Jahre alt. Ich bin sehr froh, dass auch meine Eltern und meine Schwiegereltern in der Nähe wohnen. Wir sehen uns häufig und unterstützen uns gegenseitig. Das finde ich sehr wertvoll. Familie ist für mich ein riesiger Rückhalt.

Wie haben Sie Ihre Frau kennengelernt?

DW:  Ich kenne meine Frau schon sehr lange, weil sie ebenfalls aus Wolfsburg stammt. Ein Paar geworden sind wir dann während des Studiums in Göttingen. Ich habe Jura studiert, sie Sozialwissenschaften. Für uns war relativ schnell klar, dass es etwas Ernstes ist. Zwei Jahre später haben wir geheiratet, wenig später kam unser erster Sohn.

War Familie immer Teil Ihrer Lebensplanung?

DW:  Ja, das war für uns recht früh klar. Familie hat für mich eine sehr große Bedeutung. Die Geburt meiner Kinder gehört zu den Momenten, die mein Leben stark verändert haben. Dinge, die vorher wichtig erschienen, werden plötzlich deutlich unwichtiger, wenn man Verantwortung für Kinder trägt.

Sie haben einen sehr vollen Terminkalender. Wie gelingt Familie im Alltag eines Oberbürgermeisters?

DW:  Als ich Oberbürgermeister wurde, habe ich mir vorgenommen, einen Tag am Wochenende für die Familie freizuhalten. Das gelingt fast immer. Diese Zeit ist mir sehr wichtig, weil Familie mir Kraft gibt.

Ein gelungenes Wochenende kann sehr unterschiedlich aussehen: Tennis mit meinem Sohn, Joggen mit meiner Frau, ein gemeinsames Essen, Zeit mit Eltern und Schwiegereltern, Freunde treffen oder auch gemeinsam verreisen. Gerade im Urlaub erleben wir oft die intensivste Familienzeit, weil zu Hause natürlich alle ihren eigenen Alltag, ihre Freunde und Termine haben.

Wohin reisen Sie gerne?

DW:  Wir fahren seit vielen Jahren jeden Sommer mit Familie und Freunden nach Holland an die Nordsee. Das ist für uns eine sehr entspannte, schöne Zeit. Wir fahren mit dem Auto hin, aber vor Ort bleibt das Auto meistens stehen. Dann bewegen wir uns fast ausschließlich mit dem Fahrrad. Außerdem mag ich Städtereisen sehr. Zum 20. Hochzeitstag war ich mit meiner Frau in New York. Solche Reisen finde ich faszinierend.

Was gehört neben Familie und Reisen noch zu Ihren privaten Leidenschaften?

DW:  Der VfL Wolfsburg natürlich. Ich fahre gerne mit meinen Söhnen zu Auswärtsspielen. Das ist schön, weil wir diese Leidenschaft teilen. Außerdem lese ich gerne ein gutes Buch, wenn ich Zeit finde. Sport und Bewegung sind mir wichtig. Ich versuche, einmal in der Woche im Drömling am Kanal laufen zu gehen oder ins Fitnessstudio zu gehen. Einfach, damit man mit über 50 nicht einrostet.

Welche Bücher, Serien oder Filme begleiten Sie?

DW:  Ich lese gerne Biografien. Bei Serien darf es gerne spannend sein. True-Crime-Dokumentationen finde ich interessant. Eine meiner Lieblingsserien ist bis heute „Dark“. Die Serie ist schon ein paar Jahre alt, aber ich finde sie immer noch außergewöhnlich gut gemacht. Aktuell schaue ich „Berlin“, die Auskopplung aus „Haus des Geldes“. Empfehlen kann ich den Film „Hamnet“, den ich gerade gesehen habe, der die Geschichte von William Shakespeare erzählt.

Wenn Sie sich selbst beschreiben müssten: Wer ist Dennis Weilmann privat?

DW:  Ich bin vor allem ein Familienmensch. Familie gibt mir Kraft und ist für mich auf allen Ebenen das Wichtigste. Ich glaube, ich bin jemand, der auch in schwierigen Situationen die Ruhe bewahren kann.

Das braucht man als Oberbürgermeister sicher auch. Ich bin nahbar, spreche gerne mit Menschen und lerne gerne Menschen kennen. In Wolfsburg wird man als Oberbürgermeister natürlich oft angesprochen, wenn man unterwegs ist. Das gehört dazu, aber ich mache das auch gerne.

Gleichzeitig bin ich jemand, der anpackt und Entscheidungen trifft. Das entspricht meinem Naturell. Und ich glaube, dass man mit mir auch viel Spaß haben kann – gerade im privaten Umfeld. Vor allem aber brenne ich mit großer Leidenschaft für meine Heimatstadt.

Gab es Schlüsselmomente, die Sie geprägt haben?

DW:  Diesen einen Moment kann ich nicht benennen. Aber mein Zivildienst im Klinikum Wolfsburg war prägend. Ich war damals frisch von der Schule, gerade volljährig, und wurde im Zentral-OP plötzlich mit persönlichen Schicksalen, Krankheit und Leid konfrontiert. Das hat mich beeinflusst. Auch das Jura-Studium hat mich geprägt, besonders ein ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit. Und privat natürlich die Geburt meiner Kinder. Das verändert den Blick auf das Leben sehr stark.

Sie sind Volljurist. Warum sind Sie nicht in einem klassischen juristischen Beruf geblieben?

DW:  Das Jura-Studium war für mich sehr wichtig, und ich profitiere bis heute davon – vor allem in der Art, Probleme anzugehen. Aber mir war schnell klar, dass ich nicht klassisch juristisch arbeiten möchte.

Ich habe schon vor und während des Studiums viel Öffentlichkeitsarbeit gemacht, unter anderem zehn Jahre lang als freier Mitarbeiter für unsere Lokalzeitung in Wolfsburg. Diese Vorliebe für Kommunikation ist geblieben. Später habe ich im Niedersächsischen Justizministerium und bei der Stadt Wolfsburg die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet. Das Juristische hilft dabei durchaus.

Wann wurden Sie politisch?

DW:  Im Studium. Ich bin eher zufällig zum RCDS gekommen, also zur Studentenvereinigung der CDU. Dort habe ich in studentischen Gremien mitgearbeitet – in der Fachschaft, im Studentenparlament, im Senat. Ich habe gelernt, wie wichtig repräsentative Demokratie und Parlamentarismus sind und wie viel man vor Ort bewegen kann. Das hat mich fasziniert und später auch motiviert, in die CDU einzutreten und in Wolfsburg zunächst im Ortsrat aktiv zu werden.

Was hat Sie an Politik gereizt?

DW:  Dass man vor Ort wirklich Dinge bewegen kann. Auf kommunaler Ebene ist das sehr unmittelbar. Im Ortsrat und Stadtrat sieht man, dass Entscheidungen konkrete Auswirkungen haben. Heute bin ich als Oberbürgermeister Verwaltungschef, aber auch Mitglied des Rates. Das ist für mich ein spannender und konsequenter Weg.

Wie gehen Sie mit Fehlern oder Meinungsänderungen um?

DW:  Ich glaube, wir müssen insgesamt anders mit Fehlerkultur umgehen. Wir sollten den Mut haben, auch mal Dinge falsch zu machen. Mit hundertprozentiger Absicherung kommen wir in unserem Land nicht voran. Wenn jemand ein Unternehmen gründet, kann ihm niemand garantieren, dass es erfolgreich wird. Es bleibt immer ein Risiko. Das gilt auch für Verwaltung. Natürlich muss man sorgfältig arbeiten. Aber der Mut, Dinge auszuprobieren, gehört dazu.

Was bedeutet für Sie Glück?

DW:  Glück ist für mich, in einer tollen Familie zu leben – mit einer wundervollen Frau, zwei tollen Kindern und Gesundheit in der Familie. Aber auch eine erfüllende Aufgabe gehört dazu. Es macht mich stolz, Oberbürgermeister meiner Heimatstadt zu sein und einen Beitrag zur Entwicklung dieser Stadt leisten zu dürfen. Diese Kombination ist für mich Glück.

Und was bedeutet Heimat?

DW:  Heimat ist Geborgenheit. Eine enge emotionale Verbundenheit. Sich wohlfühlen, sich auskennen. Wenn ich durch die Innenstadt gehe, werde ich natürlich oft in meinem beruflichen Kontext angesprochen. Aber ich treffe auch regelmäßig Menschen, die ich aus ganz anderen Zusammenhängen kenne: Freunde, Bekannte, Menschen, die ich über 50 Jahre kennengelernt habe. Auch die Entwicklung eines Ortes mitzuerleben, seine Höhen und Tiefen zu begleiten – das gehört für mich zu Heimat.

Gab es Momente, die Ihren Blick auf Verantwortung verändert haben?

DW:  Privat sicherlich die Geburt meiner Kinder. Das hat vieles verschoben. Für mich war damals auch klar, dass ich nicht dauerhaft von Wolfsburg nach Hannover pendeln möchte, als die Kinder klein waren. Ich wollte nah dran sein und ihre Entwicklung miterleben. Das war ein wichtiger Grund, warum ich 2008 zur Stadt Wolfsburg gewechselt bin. Im dienstlichen Kontext gibt es solche Momente ebenfalls. Etwa der Krieg in der Ukraine. Plötzlich mussten wir sehr vielen Menschen aus der Ukraine helfen und sie unterbringen. Solche Ereignisse verändern Prioritäten. Dinge, die gestern wichtig schienen, können am nächsten Tag weniger wichtig sein, weil andere Aufgaben dringender werden. Wichtig ist, Prioritäten anpassen zu können, ohne den eigenen Wertekompass zu verlieren.

Sie haben Ihre Eltern als wichtige Vorbilder beschrieben. Was haben Sie von ihnen mitgenommen?

DW:  Ich habe ein sehr enges Verhältnis zu beiden. Meine Eltern sind seit 53 Jahren glücklich verheiratet. Das ist ein großes Vorbild für mich. Mein Vater hat sein Leben lang bei Volkswagen gearbeitet, in der Systemanalyse. Meine Mutter hat ebenfalls immer gearbeitet, als Arthelferin, später in der Stadtverwaltung. Im Nachhinein beeindruckt mich besonders, wie sie ihren beruflichen Weg mit der Kindererziehung verbunden hat – damals unter deutlich anderen Voraussetzungen als heute. Meine Eltern haben mich beide gleichermaßen geprägt. Sie sind bis heute die einzigen Vorbilder, die ich nennen würde.

Welche Erinnerung verbinden Sie besonders mit Ihrem Vater?

DW:  Mit meinem Vater verbinde ich sehr stark die Besuche bei VfL-Spielen. Wir standen am Elsterweg auf dem Grashügel und haben Oberligafußball geschaut. Dort sind wahrscheinlich meine Wurzeln als VfL-Fan gelegt worden. Diese Leidenschaft habe ich später an meine Kinder weitergegeben.

Und können Sie kochen?

DW:  Nicht gut, aber gerne. Ich würde behaupten, dass ich am Grill ein bisschen etwas kann. Eine gute Pasta bekomme ich auch hin. Ansonsten bin ich gerne Assistent meiner Frau, und wir kochen gerne gemeinsam.

Welche Küche mögen Sie?

DW:  Sehr international. Asiatisch, italienisch, aber auch klassische deutsche Küche. Darauf legen auch meine Kinder Wert. Ich liebe die Quiche von meiner Frau genauso wie das Bifteki von meinem Lieblingsgriechen oder die Rinderouladen meiner Mutter.

Wenn Sie in 20 Jahren auf Ihr Leben zurückblicken: Woran möchten Sie gemessen werden – nicht als Politiker, sondern als Mensch?

DW:  Das Wichtigste wäre für mich, dass meine Familie und meine Freunde sagen: Obwohl er viel und gerne gearbeitet hat, war er immer für uns da. Dass ich verlässlich war. Dass ich da war, wenn ich gebraucht wurde. Dass ich mit ganzem Herzen für Familie und Freunde da war. Das ist mir wichtig. Meine Familie weiß: Wenn es darauf ankommt, lasse ich alles stehen und liegen. 

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