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Die Bundesliga hat Wolfsburg Verloren
VfL-Saisonbilanz 2025/2026
Von Sven Froberg
Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder nach vorne zu kommen. Es gibt Saisons, die man möglichst schnell vergessen möchte. Und es gibt Saisons, die so schmerzhaft verlaufen, dass man sie zunächst akzeptieren muss, bevor man daraus etwas Neues entwickeln kann. Die Spielzeit 2025/26 des VfL Wolfsburg gehört zweifellos in die zweite Kategorie.
Nach 29 Jahren Bundesliga ist das passiert, was sich viele in Wolfsburg lange nicht vorstellen konnten: Der VfL Wolfsburg ist abgestiegen. Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte geht es zurück in die 2. Bundesliga. Besiegelt wurde der Absturz in der Relegation gegen den SC Paderborn – das bittere Ende einer Saison, die von Unsicherheit, Fehlentscheidungen und fehlender Stabilität geprägt war.
Der Schmerz sitzt tief. Nicht nur bei den Fans, sondern auch bei vielen Menschen in der Region. Denn der VfL ist längst mehr als nur ein Fußballverein. Er ist Teil der Identität dieser Stadt und dieser Region. Gerade deshalb tut dieser Abstieg weh.
Und dennoch: Vielleicht liegt genau darin auch eine Chance. Denn wer ehrlich auf die vergangenen Jahre blickt, muss feststellen, dass sich der VfL zunehmend von vielen seiner Stärken entfernt hatte. Zu häufig wechselten Trainer, Verantwortliche und sportliche Konzepte. Zu selten entstand das Gefühl einer klaren Richtung. Der Abstieg ist deshalb nicht nur das Ergebnis einer misslungenen Saison, sondern auch die Konsequenz einer Entwicklung, die sich über mehrere Jahre
angedeutet hat.
Jetzt beginnt etwas Neues. Mit Dieter Hecking in der sportlichen Verantwortung und Tobias Strobl auf der Trainerbank hat sich der Verein bewusst für einen Neuanfang entschieden. Der neue Cheftrainer kommt vom SC Verl, gilt als moderner Fußballlehrer, arbeitet detailorientiert und hat bei seiner Vorstellung vor allem eines vermittelt: Aufbruchsstimmung. Seine ersten öffentlichen Auftritte wirkten sympathisch, authentisch und überzeugend. Statt großer Versprechen sprach er über Teamgeist, Identifikation und die Bereitschaft, gemeinsam etwas aufzubauen.
Genau das braucht dieser Verein jetzt. Denn die kommende Saison wird keine einfache Mission Wiederaufstieg. Die 2. Bundesliga ist längst eine der spannendsten und anspruchsvollsten Ligen Europas. Hier gibt es keine Selbstläufer. Namen allein gewinnen keine Spiele. Wer erfolgreich sein will, braucht Leidenschaft, Geschlossenheit und Demut.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis dieses Abstiegs. Der VfL muss wieder lernen, sich jeden Erfolg zu erarbeiten. Schritt für Schritt. Spiel für Spiel.
So wie viele Unternehmen aktuell lernen müssen, sich in schwierigen Zeiten neu aufzustellen. Auch Wolfsburg kennt Herausforderungen. Die Transformation der Automobilindustrie beschäftigt die gesamte Region. Umso wichtiger ist es, dass Verein, Fans und Umfeld jetzt zusammenrücken. Die Parallelen sind offensichtlich: Erst analysieren. Dann neu ordnen. Danach wieder angreifen.
Und dafür bietet die 2. Bundesliga durchaus reizvolle Perspektiven. Die Fans dürfen sich auf große Traditionsduelle freuen. Auf Derbyspiele gegen Eintracht Braunschweig. Auf die Duelle mit Hannover 96. Auf volle Stadien, emotionale Auswärtsfahrten und eine Liga, die Woche für Woche Geschichten schreibt.
Viele Fußballfans sagen seit Jahren: Die 2. Liga ist die ehrlichste Liga Deutschlands. Vielleicht wird der VfL genau dort wieder die Tugenden entdecken, die ihn einst stark gemacht haben. Die Voraussetzungen dafür sind vorhanden. Die wirtschaftlichen Möglichkeiten bleiben außergewöhnlich. Gleichzeitig scheint die Vereinsführung verstanden zu haben, dass Geld allein keine Identität schafft. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen. Spieler, die vorangehen. Und einen Trainer, der eine Mannschaft formt.
Tobias Strobl könnte genau der richtige Mann zur richtigen Zeit sein. Seine Verpflichtung wirkt mutig. Aber vielleicht braucht es gerade jetzt frische Ideen statt bekannter Namen. Seine klare Philosophie, sein moderner Ansatz und seine natürliche Art haben bereits in den ersten Tagen viele Menschen neugierig gemacht.
Niemand weiß heute, wo der VfL in einem Jahr stehen wird. Aber vielleicht ist das auch gar nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, dass der Verein wieder eine Richtung findet. Dass Fans, Mannschaft und Verantwortliche wieder gemeinsam an etwas glauben können. Dass aus Enttäuschung neue Energie entsteht.
Der Abstieg bleibt ein schmerzhafter Einschnitt. Daran wird sich nichts ändern. Doch vielleicht beginnt genau jetzt die Geschichte eines VfL Wolfsburg, der sich wieder auf seine Wurzeln besinnt. Der Demut mit Ambition verbindet. Der einen Schritt zurückgeht, um anschließend wieder nach vorne zu kommen.
Die Bundesliga hat Wolfsburg verloren. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft jedoch nicht.
Sven Froberg
geb. 1971 in Wolfsburg.
Lernte als Journalist bei den Wolfsburger Nachrichten, später bei Sat.1. 2007 DSF-Chefredakteur. Der beliebte Doppelpass sendete unter ihm 2008 erstmals aus der Autostadt. Ab 2009 als Sportchef verantwortlich für die Übertragung der UEFA Champions League, somit auch der Spiele des Deutschen Meisters VfL Wolfsburg. 2018 Mediendirektor beim VfL Wolfsburg. Anschließend freier Medienunternehmer mit Stationen u. a. bei FIFA, BILD, Playboy und MagentaTV. Seit 2024 Medienchef beim Wolfsburger Unternehmen Röhrdanz (u. a. B`moovd Sportsbar und SportsAlm, Produzent des BILD Henkelpott Talks mit Felix Magath im Oktober 2024).
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