Wirtschaft
KI als "SESAM öffne dich“ für Ihren Unternehmenserfolg
Viele Unternehmen investieren aktuell in Künstliche Intelligenz, aber nur wenige übersetzen diese Investitionen bereits in echten Geschäftserfolg.
Der Engpass liegt dabei oft nicht in der Technologie. Holger Kämmerer (CEO) und Christian Mamojka (COO) vom ATD Systemhaus erklären im Interview, warum Pragmatismus zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird – und wie das SESAM-Prinzip Unternehmen dabei unterstützt, KI vom Experiment in die Wertschöpfung zu bringen.
S wie Sammeln: „Viele Unternehmen sprechen zu früh über Tools.“
Frage: Warum beginnt erfolgreiche KI-Umsetzung aus Ihrer Sicht beim „Sammeln“?
HK: Weil viele Unternehmen sofort nach der passenden KI-Lösung suchen, ohne die eigentlichen Herausforderungen sauber zu analysieren. Dabei müsste die erste Frage lauten: Wo verlieren Mitarbeitende Zeit? Welche Prozesse sind repetitiv? Wo fehlt Wissen oder Transparenz?
Genau dort entstehen später die wirklich relevanten KI-Anwendungsfälle. Wir erleben häufig, dass Unternehmen zunächst über Tools diskutieren, obwohl die eigentliche Aufgabe darin besteht, Probleme und Potenziale systematisch sichtbar zu machen.
E wie Entscheiden: „Zu viele Möglichkeiten können Unternehmen lähmen.“
Frage: Warum ist der zweite Schritt — das Entscheiden — so wichtig?
CM: “Die Entwicklung von KI ist schnelllebig, ständig überholen sich Innovationen. Wir staunen heute über neue Möglichkeiten der KI, die morgen bereits einen nächsten Entwicklungsschritt erfahren. Es gibt daher keinen Entwicklungsschritt, auf den es sich lohnt zu warten.
Die größte Gefahr besteht daher nicht darin, eine falsche Entscheidung zu treffen, sondern gar keine. Es braucht eine Priorisierung bei der Herangehensweise und zu Beginn das Pflücken der „Low-Hanging Fruits“, um schnelle Erfolge feiern zu dürfen. Es gilt zu identifizieren, welche Use Cases schnelle Entlastung bringen, wo messbarer Nutzen entstehen kann und welche Prozesse sich überhaupt für die KI-Unterstüzung eignen.”
S wie Strukturieren: „KI verstärkt auch bestehende Probleme.“
Frage: Warum scheitern viele KI-Projekte bereits vor der eigentlichen Umsetzung?
CM: Häufig fehlen Strukturen oder KI-Tools werden isoliert als Tool eingesetzt. Das weckt Interesse, aber der Hype ist nicht von langer Dauer. Ergebnis sind Lizenzkosten ohne spürbaren Mehrwert. Der Fehler ist, dass Prozesse, Verantwortlichkeiten oder Datenstrukturen häufig nicht hinreichend mitgedacht werden. Als Effizienz-Boost funktionieren KI-Tools nicht losgelöst, ohne diese Punkte zu betrachten und könnten sogar eher Ineffizienz fördern. Die Klarheit über die Nutzung durch welche Mitarbeitenden, in welchen Prozessen, mit welchen Regeln und auf welcher Datenbasis ist deshalb wesentlicher Bestandteil unseres SESAM-Prinzips.
HK: Genau diesen Punkt erleben wir übrigens auch intern. Wir beschäftigen uns nicht nur gemeinsam mit Kunden mit KI-Prozessen, sondern integrieren KI auch schrittweise in unsere eigenen Abläufe — etwa im Wissensmanagement, bei Rechercheprozessen oder administrativen Aufgaben. Dadurch sehen wir sehr direkt, dass erfolgreiche KI-Einführung immer auch Organisationsentwicklung bedeutet.
A wie Anfangen: „Perfektionismus wird aktuell zum Risiko.“
Frage: Warum tun sich viele Unternehmen schwer mit dem eigentlichen Einstieg?
HK: Weil viele noch auf Sicherheit warten. Natürlich ist es sinnvoll, strategisch zu denken.
Aber KI entwickelt sich momentan so schnell, dass niemand sämtliche Antworten vorab haben wird. Unternehmen, die heute erfolgreich sind, starten deshalb kleiner, pragmatischer und lernorientierter. Nicht die perfekte Roadmap entscheidet aktuell über Erfolg, sondern die Bereitschaft, Erfahrungen zu sammeln.
CM: Genau deshalb lautet ein wichtiger Teil des SESAM-Prinzips: anfangen. Viele relevante Erkenntnisse entstehen erst im praktischen Einsatz: Wo entstehen echte Effizienzgewinne? Welche Prozesse funktionieren? Wie reagieren Mitarbeitende? Welche Daten fehlen? Aber KI-Kompetenz entsteht nicht durch Beobachtung, sondern durch Anwendung.
M wie Machen: „Pilotprojekte allein verändern noch kein Unternehmen.“
Frage: Warum endet KI in vielen Unternehmen in der Testphase?
CM: Das „Machen“ wird häufig unterschätzt und falsche Prioritäten gesetzt oder die Startprojekte sind
zu umfangreich.
Meine Empfehlung sind kleinere Projekte zu Beginn, an denen man lernen kann. Die sind schnell umgesetzt und nimmt dem Unternehmen mögliche Hemmungen. Wenn diese sich in den Alltag integriert haben, darf es auch schnell mit komplexeren Lösungen weiter gehen.
HK: Dabei liegen die größten Potenziale häufig gar nicht in spektakulären Zukunftsszenarien, sondern in alltäglichen Verbesserungen: schnellere Informationsbeschaffung, effizientere Kommunikation oder die Entlastung administrativer Aufgaben. Gerade im Mittelstand entstehen daraus enorme Produktivitätseffekte.
„SESAM steht nicht für Theorie, sondern für Umsetzung.“
Frage: Was ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Erkenntnis für Unternehmen?
HK: Dass KI kein reines Technologiethema ist. Natürlich spielen Tools und Systeme eine wichtige Rolle. Entscheidend ist aber, wie Unternehmen Veränderungen organisieren und in den Alltag integrieren.
CM: Genau dafür steht SESAM: nicht für theoretische Perfektion, sondern für pragmatische Umsetzung. Denn am Ende wird KI nicht die Unternehmen erfolgreich machen, die am längsten analysieren und testen – sondern diejenigen, die anfangen, lernen und konsequent weitermachen.
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