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Lifestyle

5. April 2022

Eine Grundzutat des Lebens

Verantwortung ist eine Investition in die Gesellschaft

Von Christine Grän

(Fotografie: fotolia/dzevoniia)

Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun!

Molière: hat das gesagt - und es sagt schon alles. Wir können uns nicht aus der Verantwortung stehlen, die jeder für sich und gegenüber dem Rest der Welt hat. Weil es ja feige und ausgesprochen dumm wäre, die Schuld für alles, was schief läuft, immer nur bei anderen zu suchen – den Politikern, Bankern, Ausländern, den Nachbarn, allen Andersdenkenden und so weiter und so fort.

Verantwortung ist eine Grundzutat des Lebens und hat etwas mit Freiheit, Chancen und Selbstbestimmung zu tun. Wir treffen im Lauf unseres Lebens viele Entscheidungen, manche sind richtig und andere falsch, und dafür müssen wir gerade stehen – vor uns selbst, vor Familie und Freunden, vor dem Gesetz, unserer Umwelt und der Zukunft unseres Planeten. Große Verantwortlichkeiten sind das, und nicht jeder mag diese Bürde tragen.

Der biedermeierliche Rückzug oder Ego-Trip ist eine Möglichkeit, dem Rest der Welt den Rücken zu kehren. Mir doch wurscht, sagt der Österreicher. America First, tönt der Hanswurst aus Washington. Mia san mia, heißt es in Bayern.

Nationalismus, Egoismus und die Abschiebung der Verantwortung auf andere feiern fröhliche Urständ’ in einer Welt, die so dringend mehr Demokratie, mehr Umweltschutz, mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Frieden braucht.

Verantwortung ist eine Investition in die Gesellschaft, die wir haben wollen. Keine Ausreden jetzt: Jeder kann sich einbringen und etwas für andere tun, für die Umwelt und die Gesellschaft, in der wir leben. Wer mit der Plastiktüte in der Hand über die Abholzung der Regenwälder schimpft, hat etwas falsch verstanden. Und wer gegen die da oben und die da unten protestierend aufmarschiert, gehört in die düsterste rechte Ecke. Schuld sind immer nur die anderen? Haben wir denn aus der deutschen Geschichte nichts gelernt?

„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie all­gemeines Gesetz werde“, ist als kategorischer Imperativ Kants bekannt. Andererseits: Menschen machen Fehler, selbst diejenigen, die große Verantwortung tragen wie Politiker, Manager, Vorstandsvorsitzende, Banker, Päpste. „Ich übernehme die volle Verantwortung“, ist ein Satz, der in diesen Kreisen eher selten fällt. Und wenn, dann folgen den hehren Worten oft keine Taten. Christian Wulff, Ex-Bundespräsident, war eine rühmliche Ausnahme.

Nein, leicht ist es nicht, Verantwortung zu übernehmen und die Sache ethisch einwandfrei durchzuziehen. Hans Jonas hat darüber ein Buch geschrieben, das bereits 1979 erschienen ist. Es heißt Das Prinzip­ Verantwortung. Sehr empfehlenswert, wenn man unter Selbstoptimierung nicht nur Äußer­lichkeiten und Körperertüchtigung versteht. Jonas schreibt: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“

Christine Grän

wurde in Graz geboren und lebte in Berlin, Bonn, Botswana und Hongkong, bevor sie nach München zog. Die gelernte Journalistin wurde durch ihre Anna-Marx-Krimis bekannt, die auch verfilmt wurden. Sie veröffentlichte unter anderem die Romane „Die Hochstaplerin“, „Hurenkind“ und „Heldensterben“. Zuletzt erschienen „Amerikaner schießen nicht auf Golfer“, „Sternstraße 24“ und „Glück am Wörthersee“ im ars vivendi Verlag.

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