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Wirtschaft

20. September 2021

Einstehen für die Heimat

Was Wolfsburg aus der Sicht von Dennis Weilmann ausmacht.

Von Dr. Jan Plöger und Timo Grän

(Fotografie: Nina Stiller)

Im September ist es wieder soweit: Die Wahl des Oberbürgermeisters in Wolfsburg steht an. Wir haben den Kandidaten und gebürtigen Wolfsburger Dennis Weilmann kennengelernt. Warum er sich mit der jüngeren sowie älteren Generation verbunden fühlt, was er an seiner Heimat schätzt und welches Optimierungspotenzial er sieht, hat er uns bei einem persönlichen Gespräch erzählt.

Timo: Wie sieht Ihr Werdegang aus, sind Sie glücklich damit?
Dennis: Ich bin froh, dass mir das Jura-Studium gut gefallen hat, das hätte auch anders laufen können. Die enge Verknüpfung mit meiner Leidenschaft der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, die ich über zehn Jahre bei den Wolfsburger Nachrichten praktiziert habe, hat mir immer Spaß gemacht. Im Justizministerium konnte ich dann die Fachkenntnisse aus dem Studium und die Erfahrung in der Öffentlichkeitsarbeit kombinieren.

Timo: Juristen treten eher sachlich auf. Wie sieht das bei Ihnen aus, sind Sie ein emotionaler Mensch?
Dennis: Ich kann natürlich sachlich agieren und argumentieren, aber ich denke, es braucht auch ein gewisses Maß an Emotionalität. Denn nur so kann ich gute Entscheidungen für eine Stadt treffen, die mir am Herzen liegt. Ohne Emotionen werden Menschen gleichgültig in dem, was sie tun und das bin ich nicht.

Timo: Welche Werte sind Ihnen persönlich wichtig?
Dennis: Ich bin gerne mit Personen zusammen, die begeistern können und mit Leidenschaft für etwas brennen. Ich erwarte, dass meine Mitmenschen verlässlich und ehrlich sind und das können sie auch von mir erwarten. Auch in der Politik muss man unbedingt ehrlich sein. Wenn jemand eine Idee vorschlägt und mir klar ist, dass diese nicht realisierbar ist, muss ich das verständlich erläutern.

Timo: Sind Sie heimatverbunden?
Dennis: Ja, sehr. Ich habe in Göttingen studiert, aber immer erzählt, wie gerne ich in Wolfsburg gelebt habe. Da haben manche schon mit den Augen gerollt bei meinem Enthusiasmus über diese Stadt. Mein Motto „Aus Liebe zu Wolfsburg“ ist wirklich in mir verankert und keine Marketingstrategie.

Timo: Was gefällt Ihnen an Wolfsburg so gut?
Dennis: Wolfsburg hat für mich eine gute Größe und Infrastruktur, um auch als Familie dort zu leben. Wir leben in einer grünen Stadt mit einem tollen Kultur- und Sportangebot. Ich habe dort auch viele persönliche Bindungspunkte, meine Familie und auch meine Freunde.

Timo: Wie ist Ihre familiäre Situation?
Dennis: Meine Frau und ich sind jetzt 15 Jahre verheiratet und unsere zwei Jungs sind mittlerweile 10 und 12 Jahre alt. Da ich selbst Einzelkind bin und mir in der Kindheit manchmal ein Geschwisterkind gewünscht hätte, bin ich froh, dass die beiden sich haben. Mit meinen Eltern und Schwiegereltern, die auch in Wolfsburg geboren sind und leben, haben wir ein enges Verhältnis und sehen uns oft.

Timo: Was hat sich in Wolfsburg verändert und wo sehen Sie das Potenzial der Innenstadt?
Dennis: Die Innenstadt braucht dringend mehr Aufenthaltsqualität. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, kann ich mich an Spielplätze und viele Orte erinnern, die zum Verweilen von Familien eingeladen haben. Sowas gibt es heute nicht mehr, das fehlt uns. Ich bin viel rumgekommen und habe gesehen, wie es anderswo funktionieren kann. Wolfsburg bietet eine Fläche und Weitläufigkeit mit großem Potenzial, das genutzt werden muss. Wir brauchen mehr Grünflächen, Kunst, vielfältige Restaurants und Cafés sowie mehr attraktiven Handel. Es muss wieder Spaß machen, in die Innenstadt zu gehen.

Timo: Wie empfinden Sie die Verbindung zur jungen Generation? Was halten Sie von deren Sorgen und Ansätzen zur Problemlösung?
Dennis: Da ich zwei von ihnen zu Hause habe, nehme ich die Anliegen der jüngeren Generation sehr ernst. Ich weiß, wie gut sich junge Menschen einbringen können, wenn man sie lässt und wie man sie auch dazu motiviert. Mein älterer Sohn fand es zum Beispiel im Kinderbeirat der Stadt super, wie viel man mitgestalten und praktisch umsetzen kann. Ich glaube, wir haben die Chance, viel besser auf die Bedürfnisse der jüngeren Generation einzugehen, wenn wir sie miteinbeziehen. Der Vorteil, wenn man Verantwortung in meinem Alter mit Mitte 40 übernimmt ist, dass man zu anderen Generationen einen guten Draht aufbauen kann. Für Jugendliche bin ich eben noch nicht der Senior, der zu fern von den Themen ist, die sie beschäftigen. Für die ältere Generation bin ich relativ jung, aber diese sieht auch die jahrelange Erfahrung, die ich sammeln konnte und meinen Blick für die Interessen der ganzen Gesellschaft.

Timo: Was würden Sie jungen Menschen empfehlen, um sich Gehör zu verschaffen und etwas zu bewegen?
Dennis: Bringt euch ein, nutzt die Möglichkeiten, die da sind, zum Beispiel die sozialen Medien. Wer mit der Stadt Wolfsburg kommunizieren möchte, wird gehört und ernst genommen. Ich lese und beantworte Nachrichten an mich selbst, weil ich wissen will, was die Menschen dieser Stadt bewegt. Unsere Aufgabe ist es außerdem, gezielter auf die jungen Leute zuzugehen. Menschen engagieren sich durch intrinsische Motivation oder weil es ihnen Spaß macht und diese Freude an der Sache müssen wir vermitteln. Und sie müssen sehen können, dass am Ende etwas rauskommt, an dem sie mitgewirkt haben.

Timo: Wie ist Ihre Wahrnehmung der Generation Z?
Dennis: Ich erlebe viele junge Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen und auch Spaß daran haben. Für viele ist die Familie auch sehr wichtig, diese Ansicht teile ich genauso und würde auch als Oberbürgermeister, die wenige freie Zeit mit meiner Familie verbringen wollen.

Timo: Warum sollte sich jemand, der die Wahl zwischen verschiedenen Städten hat, für ein Leben in Wolfsburg entscheiden?
Dennis: Die Frage ist, was ich persönlich möchte. Jemand, der die Lebenskultur in Berlin-Mitte schätzt, wird diese in Braunschweig oder Wolfsburg nicht finden. Für mich ist Wolfsburg eine Stadt, die für mich persönlich mit vielen positiven Erinnerungen verknüpft ist. Objektiv gesehen ist Wolfsburg eine grüne, vielfältige Stadt, die viele Freizeit- und Kulturangebote bereithält und somit sehr familienfreundlich ist. Auch der Spitzensport mit dem VfL und den Grizzleys ist ein Faktor, der Wolfsburgs Attraktivität steigert. Ich wohne zum Beispiel mitten in der Stadt und trotzdem am Rande eines Naturschutzgebietes, diese Kombination macht die Stadt einfach lebenswert und das für viele Menschen.

Timo: Ist die Stadt auch attraktiv für junge Generationen?
Dennis: Wir müssen erkennen, wie viele Möglichkeiten es gibt. Nicht nur das klassische Modell Schule, Ausbildung, Studium, Arbeit. Wir müssen mutiger werden, Neues und Unbekanntes auszuprobieren, was wir hier in der Region auch tun. Die Schule 42Wolfsburg ist ein gutes Beispiel, dort braucht man keinen Abschluss, sondern legt eine lediglich Aufnahmeprüfung ab. Nach dem Studium erhält man keinen klassischen Bachelor- oder Masterabschluss, sondern ist Absolvent*in einer auf dem internationalen Arbeitsmarkt hoch angesehenen Institution. Aus Erfahrung gibt es aus juristischer Sicht oft viele Argumente, warum etwas nicht möglich ist. Wir müssen den Fokus auf die Gründe, warum etwas funktionieren kann, richten. Dazu muss die gesamte Region zusammenhalten.

Timo: Was gibt Wolfsburg für Impulse, die Region zusammenzuhalten?
Dennis: Wir wollen uns nicht als Konkurrenten sehen, sondern gemeinsam die sehr ähnlichen Aufgaben der Städte der Region bewältigen. Wir kommunizieren miteinander und arbeiten vertrauensvoll gemeinsam an Lösungen – statt gegeneinander. Interkommunale Zusammenarbeit ist für uns alle eine Riesenchance.

Timo: Was sind Ihre Abschlussworte für die Wahl?
Dennis: Ich mache den Bürgern und Bürgerinnen ein Angebot, ich bin einer von ihnen und zeige ihnen ehrlich, wofür ich stehe. Ich habe eine sehr emotionale Bindung zu meiner Heimatstadt, was meiner Meinung nach wichtig ist. Wolfsburg ist eine tolle Stadt in einer tollen Region. Lasst uns gemeinsam dafür einsetzen, dass es noch besser wird.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Dennis Weilmann                  

Seit 2018 ist er Dezernent für Wirtschaft, Digitales und Kultur bei der Stadt Wolfsburg sowie Geschäftsführer der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH und
der Planetarium Wolfsburg GmbH – inzwischen als Erster Stadtrat auch Vertreter des Oberbürgermeisters. Der 1975 in Wolfsburg geborene Weilmann lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Wolfsburg.

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