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Lifestyle

Große Klappe, viel dahinter!

Ein Interview mit Tim Mälzer

Von Jens Richwien

(Fotografie: Frank Meyer)

Er ist Fernsehkoch, Unternehmer, Autor und jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Gemeinsam mit Lars Nussbaum, Diana Brinkmann und Aqua-Legende Jimmy Ledemazel eröffnete Tim Mälzer jetzt im BraWo-Turm das „Überland“. Wie es dazu kam und was den Küchen-Rock‘n Roller zum leidenschaftlichen Koch macht, erzählte er STADTGLANZ-Chefredakteur Jens Richwien.

Ende Mai wurde Überland eröffnet, wie kam der Kontakt zu Lars Nussbaum zustande und kanntest du die Region schon vorher?

Tim Mälzer: Ich kannte Lars bereits von der Hamburger „Gastro Consulting“, für die er insgesamt 12 Jahre gearbeitet hat. Lars sprach mich an, ob ich nicht mit ihm zusammen neue gastronomische Impulse nach Braunschweig bringen wolle. Die Stadt sollte inhaltlich und gastronomisch mehr in Erscheinung treten. Für mich machte die besondere Location und die Konstellation der Partner den Reiz des Projektes aus.

Viele Menschen freuen sich schon sehr auf diesen neuen gastronomischen Hotspot. Was sollten sie aber auf keinen Fall erwarten?

Tim Mälzer: Burger und Schnitzel, aber auch keinen schi-schi. Wir versuchen zu zeigen, dass die deutsche Küche mehr kann. Außerdem soll niemand die Erwartungshaltung haben, nicht in „unser“ Konzept zu passen. Wir sind ein offenes Haus und freuen uns über alle Gäste, die Lust auf schöne Momente und geiles Essen haben.

Die Gastro hat Nachwuchssorgen, war es für euch schwer Mitarbeiter zu finden? Wie seid ihr da vorgegangen?

Tim Mälzer: Wir haben schon recht früh mit unseren Industriepartnern und Lieferanten über das geplante ÜBERLAND-­Projekt gesprochen. Früher, als man es vielleicht normalerweise tun würde. Damit sind wir auf hellhörige Ohren gestoßen. Zum Glück funktioniert die „Gerüchteküche“ in der Gastro­branche sehr gut (lacht). So haben viele gute Leute schon sehr früh von unserem Vorhaben erfahren und ihr Interesse signalisiert. Wenn man als Gastronom einen guten Ruf hat und nicht total schlecht ist, dann kommen auch Leute aus den guten Häusern und größeren Städten bereitwillig in eine Stadt wie Braunschweig. Durch dieses „Lauffeuer“ mussten wir nicht aktiv auf bestimmte Leute zugehen. Den Luxus der „Mund-zu-Mund-Propaganda“ hat natürlich nicht jeder, aber uns hat es die Suche wesentlich erleichtert.

Bitte beschreib uns mit wenigen Worten die Karte des Überland.

Tim Mälzer: Sehr handwerklich- und produktorientiert. In Teilen sehr regional und immer mit einem gewissen kreativen Einfluss.

Wann hast du deine Liebe zum Kochen entdeckt? Gab es vorher andere Berufswünsche?

Tim Mälzer: Kochen gehörte bei uns in der Familie schon immer dazu. Bei uns kann auch dementsprechend jeder kochen. Wäre mein Abi damals besser gewesen, wäre ich gerne Architekt geworden. Dafür hat es leider nicht gereicht. Der Plan B war dann eigentlich eine Karriere als Hoteldirektor. Als junger Mann, der gerade zu Hause ausgezogen ist, klang es einfach traumhaft in einem Hotel zu wohnen und dort alles gemacht zu bekommen. Heute weiß ich natürlich, dass das nicht so ist. In meiner Vorstellung damals war es aber so, dass ich nicht mal hätte waschen müssen (lacht). Beim Durchlauf durch alle Stationen eines Hotels hat mir die Küche aber so gut gefallen, dass ich dort „hängen“ geblieben bin.

Wie wird man vom Koch zum TV-Koch?

Tim Mälzer: Das kann ich so pauschal gar nicht sagen, da der Weg bei jedem ja anders ist. Bei mir war es einfach eine Mischung aus Zufall und Glück. Ich war anscheinend zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich glaube der große Vorteil von uns Köchen ist, dass wir aufgrund unserer Gastronomie viele Menschen kennenlernen. Häufig eben auch welche aus den Medien. Über diese Kontakte kommt dann eben manchmal das eine zum anderen.

Kochst du privat auch gerne und wie sieht deine Küche aus?

Tim Mälzer: Definitiv koche ich auch privat immer noch gerne! Ich habe das große Glück, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen konnte. Außerdem muss man ja auch sagen, dass ich bei der Arbeit nicht mehr jeden Tag selber am Herd stehe. Aber mich entspannt es einfach und es hilft mir beim Abschalten. Meine Küche sieht genauso aus, wie vermutlich jede andere. Das einzige, was vielleicht „ungewöhnlich“ ist: ich habe einen großen Ilve Gasherd. Damit arbeite ich einfach am liebsten.

Was ist dein Lieblingslebensmittel?

Tim Mälzer: Tomaten! Es gibt einige Sachen, die mag ich zweitweise sehr und dann wieder gar nicht. Aber Tomaten esse ich einfach immer gerne und man kann damit tausend tolle Sachen machen.

Fisch oder Fleisch?

Tim Mälzer: Wieso entweder oder? Beides hat seine Vorzüge und ich mag beides gerne kochen als auch essen. Man kann auch ohne beides ein tolles Gericht zubereiten und muss geschmacklich auf nichts verzichten. Ich bin immer ein Freund davon, ausgewogen zu kochen und dazu gehört beides, aber manchmal auch keines von beidem.

Was sollte man sagen, wenn man ein Restaurant von Tim Mälzer verlässt?

Tim Mälzer: „Ich hatte eine richtig schöne Zeit, habe gut gegessen und werde mich sicherlich noch lange an die tolle Atmosphäre und den Besuch erinnern.“

Du bist ja Fußball-Fan. Wie sieht es denn mit der Praxis aus? Wir sollten mal Elfmeter-Schießen …?!

Tim Mälzer: Wenn ich im Tor stehen darf, können wir das bestimmt mal machen. Man nennt mich nicht umsonst „Die Katze“. Gegen mich hättest Du keine Chance (lacht).

Machen wir, danke Tim.

Jens Richwien

Ehemaliger Fußball-Profi und Freizeit-DJ (Richy Vienna), war über 20 Jahre für die neue Braunschweiger tätig. Die letzten drei Jahre begleitete er STADTGLANZ als Objektleiter und Chefredakteur. Er ist seit Oktober bei der Hygia Gruppe beschäftigt, betreut dort das B2B-Business und arbeitet
weiterhin als freier Redakteur.