Selbstverteidigung

Wir befinden uns am Rebenpark, einem modernen Business- und Gewerbepark in der Nähe der Technischen Universität und treffen Tobias Wagner, einen Trainer für Selbstverteidigung. Gemeinsam betreten wir das 25.000 m² große Gebäude. Vorbei am Ballettraum öffnen wir eine schwere Tür und befinden uns schließlich in einer beeindruckenden Sporthalle. Auch bekannt als Trainingsraum Braunschweig.

STADTGLANZ Y: Hey Tobi. Seit wann machst du eigentlich Kampfsport und wie bist du dazu gekommen?
Tobi: Mein Vater wollte, dass ich Fußball spiele. Darauf hatte ich aber absolut kein Bock. Da es in den 1980ern viele Karate und Ninja Filme gab, wollte ich das machen und bin dann mit 12 Jahren zum Taekwondo gekommen.
STADTGLANZ Y: Welche verschiedenen Kampfsportarten hast du bisher ausprobiert und was ist dein Favorit?
Tobi: Taekwondo habe ich ca. 7 Jahre lang gemacht. Irgendwann Mitte der 1990er habe ich mich in Aikido versucht, das war aber nichts für mich. Anfang 2000 folgte Capoeira und 2006 bin ich schließlich zum Krav Maga gekommen. In der Zeit wurde mir klar, dass es für Selbstverteidigung nichts Effektiveres gibt. Ich begann dann vom traditionellen Kampfsport in die Selbstverteidigung zu wechseln und habe 2013 meinen Instruktor im CQB/CQC absolviert.
STADTGLANZ Y: Krav Maga/CQB/CQC – was für Kampfsportarten sind
das genau?

Tobi: Es ist kein Kampfsport, weil der sich grundsätzlich auf eine 1 zu 1 Situation ausrichtet . Krav Maga wurde in den 1940ern für das israelische Militär entwickelt. Später wurde es auch für die Polizei und dem zivilen Bereich zugänglich gemacht. CQB (Close Quarter Battle = Verteidigung gegen mehrere Gegner) und CQC (Close Quarter Combat = Verteidigung gegen einen Gegner) stammen vom Krav Maga ab und beziehen sich noch direkter auf enge Räume oder Orte an denen sich viele Leute auf­halten. Beim Krav Maga und CQB/CQC werden alle erdenklichen Szenarien, wie Angriffe im Auto, Aufzug Treppenhaus, und so weiter trainiert.
STADTGLANZ Y: Ich habe mal Judo bis zum gelb/orangenen Gurt ge­macht. Wie schätzt du meine Chance im Bereich Selbstverteidigung ein?
Tobi: Die Frage aller Fragen: Welche Kampfsportart ist am effektivsten? Durch den Versuch, diese Frage zu klären ist die UFC entstanden. Um tra­ditionellen Kampfsport auf der Straße anzuwenden muss man lange trai­nieren, damit man es richtig umsetzen kann und aus der Situation heil rauskommt. Zum Thema Judo als Selbstverteidigung: Grundsätzlich ist es nicht die beste Idee, mit jemandem freiwillig auf der Straße auf den Boden zu gehen, vor allem ohne einen Kampfrichter, der bei unerlaubten Griffen deines Angreifers unterbrechen würde.
STADTGLANZ Y: Und was würdest du uns Mädeln dann empfehlen? Oder ist Kampfsport nur für stumpfe Jungs?
Tobi: Krav Maga/CQB/CQC ist für ALLE da. Wir haben in unserer Gruppe fast genauso viele Frauen wie Männer und das im Alter von 18 bis 56 Jahren. Eine gute körperliche Fitness ist bei der Selbstverteidigung von Vorteil aber bei unseren Techniken keine Voraussetzung. Wir haben kein Reglement, welches bestimmte Techniken vorschreibt. Das erlaubt uns letztlich auch, die Techniken bei körperlichen Einschränkungen anzupassen.
STADTGLANZ Y: Klingt cool! Und wann hast Du angefangen Kurse zu geben?
Tobi: Meinen Instruktor habe ich 2013 gemacht aber konnte durch meine Schichtarbeit nur unregelmäßig Training geben. 2016 fragte mich dann mein Kollege Florian Sorge, ob ich nicht Interesse hätte mit ihm zusammen Unterricht zu geben. So entstand dann im Trainingsraum Braunschweig eine sehr coole Kooperation mit Thomas Tamilowski.
STADTGLANZ Y: Wann? Wo? Wie?
Tobi: Unsere Trainingszeiten sind Montag und Mittwoch von 19:30 – 21:00 Uhr. Seminare machen wir auf Anfrage und stimmen diese individuell ab. Auf Facebook kann man uns unter Selbstverteidigung CQB und KMS finden und den Trainingsplan und Videos anschauen und uns zu Seminaren kontaktieren. Wir würden uns freuen, wenn durch diesen Artikel einige neugierig werden und mal bei uns vorbeischauen.
Tobsta_03STADTGLANZ Y: Man kennt dich ja zudem aus dem Bereich Musik als recht erfolgreicher DJ Tobsta. Was treibst du momentan? Irgendwelche neuen oder spannenden Projekte?
Tobi: Es kribbelt mir immer noch in den Fingern und ich bin derzeit in Kontakt mit Tim Lemke für eine mögliche neue Partyreihe. Ansonsten hatte ich in der letzten Zeit einige Studio Scratch-Projekte wie z. B. bei den Browntown Brotherz. Ich lege auch immer gerne auf privaten Partys auf, da ich diese Bookings nur annehme, wenn der Auftraggeber und ich auf einer Wellenlänge sind, denn dann haben wir alle am Ende einen geilen Abend. Das Thema DJing ist für mich noch lange nicht vom Teller…
STADTGLANZ Y: Gibt es Vorurteile gegenüber Krav Maga/CQB/CQC und wie gehst du damit um?
Tobi: Menschen die noch keine Erfahrung mit Krav Maga/CQB/CQC gemacht haben, denken häufig zuerst an den israelischen Geheimdienst Mossad und halten es für gefährlich. Die Techniken, die wir lehren sind allerdings für den privaten Bereich und es geht darum, sich selbst und andere Personen nach besten Wissen und Gewissen schützen zu können. Viele Menschen sind aber eher neugierig. Wenn sie das erste Mal da waren, ist das Feedback immer positiv, weil sie merken, dass man sich mit relativ einfachen Techniken ohne sportliche Höchstleistungen effektiv verteidigen kann.
STADTGLANZ Y: Was sind deine weiteren Pläne?
Tobi: Es gibt derzeit außer einigen privaten Seminaren keine großen Pläne. Ich arbeite hauptberuflich im Schichtdienst und das ist zeitlich nicht immer einfach. Daher bin ich froh, dass Florian und ich uns die Trainingszeiten teilen, damit es regelmäßig stattfindet. Gerade Seminare für Frauen sind beliebt, weil Frauen am Anfang gerne „unter sich“ trainieren. Später schätzen sie dann die gemischten Gruppen, weil sie dort das gelernte an den Männern ausprobieren können.

Ein Interview von Mirja Künnemeyer.